bin ich Zeuge einer
gräßlichen Szene auf dem Zugangsblock. Da ist ein Pole mit einem fürchterlich ausgehungerten Körper und Gesicht. Er hat in einer Nacht aus einem Spind ein Stück Brot gestohlen. Er ist erwischt worden und nun beginnt eine grausame Prozedur. Zuerst schlagen der Stubenälteste und ein russischer Dolmetscher wild auf ihn ein, bis das Gesicht blutüberströmt ist. Besonders dem russischen Dolmetscher sieht man an, welch viehische Befriedigung ihm dies bereitet. Der SS - Blockführer kommt, die Sache wird ihm gemeldet und er boxt den Polen kunstgerecht nach Strich und Faden, bis er blutüberströmt am Boden liegt. Dies alles wird mit einer gespielt sittlichen Entrüstung getätigt. Man redet von Kameradschaftsdiebstahl, als ob diese ausgehungerte Masse, eng zusammengepfercht, überhaupt Kameradschaft halten könnte, als ob der Pole nicht eher aus Hunger denn aus Bosheit das Stück Brot genommen. Das Gesicht blutverschmiert, wobei immer wieder auf ihn eingeschlagen wird, muß er schließlich zunächst eine Stunde einen Hocker mit gestreckten Armen in Kniebeuge halten. Danach wird er für den ganzen Tag auf diesem Hocker auf die Blockstraße gestellt, mit einem Schild, darauf in vier Sprachen die Schrift:„ Ich bin ein Kameradschaftsdieb!" Was hierbei besonders widerlich ist, ist die Tatsache, daß Häftlinge, die beispielsweise nicht davor zurückschrecken zu„, organisieren",- wie der Fachausdruck lautet hier den sittlich Entrüsteten spielen, während man ihnen ansehen kann, daß sie hieraus nur ihre Selbstbefriedigung bei der Tortur suchen. Der Pole ist so ausgehungert, und man sieht ihm das auch an, daß er nach zwei Tagen rückfällig wird. Er vergreift sich am Paket eines Mitgefangenen. Die darauf erfolgende Tortur ist unbeschreiblich. Mit Hockern, mit Stuhlbeinen, mit Gummiknüppeln, mit Fäusten wird auf ihn losgetrommelt. Er muß tagelang auf dem
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