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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
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völlig frei von Begriffen. Ich stelle dies in der Folge­zeit fast bei der ganzen jungen russischen Generation fest. Sie sind areligiös erzogen, jedoch nicht im Haẞ gegen die Religion. Im großen und ganzen sind es saubere, sittlich intakte Burschen, die, wenn sie ver­dorben wurden, meist in den Lägern verdorben wurden. Das ist überhaupt das Furchtbare, und ich kann es auf diesem Zugangsblock schon fest­stellen: viele junge Leute, aus ihrer Heimat gerissen und aus ihrer bergenden Umgebung, sind hier Ent­wurzelte. Lagerleben verdirbt, besonders wenn es mit Hunger, großem Hunger verbunden ist. Viele junge Menschen haben, gedrängt und verführt und von Hunger getrieben, schließlich für ein Stück Brot Leib und Seele hingegeben. Schon in den ersten Tagen beobachte ich auf dem Zugangsblock, wie einer vom Blockpersonal ,,, ein Grüner",( Grüne" nennt man solche, die einen grünen Winkel tragen, es sind Kriminelle), einen 12jährigen Polenjungen, der offensichtlich beim ganzen Blockpersonal als Puppenjunge fungiert, schamlos mißbraucht. Vor solchem Schicksal möchte ich Iwan und Fedor be­hüten und nehme mich darum besonders ihrer an. Was die Russen im allgemeinen betrifft, so sind sie, haben sie zu essen, durchaus gutmütig und in jedem Fall hilfsbereit und kameradschaftlich. Untereinan­der können sie zwar über Kleinigkeiten sich blutig schlagen, vergessen aber auch nicht, dem gleichen Kameraden die Hälfte der geschenkten Zigarette an­zubieten. Durch die Bank sind sie völlig ausgehun­gert und oft wahre Skelette, sind auch vielfach schwer mißhandelt worden. Kein Wunder, daß ihr Sinnen und Trachten einzig und allein auf die Er­gatterung eines Stückchens Brot ausgerichtet ist. Brot ist ihr National- Nahrungsmittel. Da sie ja gänzlich auf sich gestellt sind, keine Pakete bekom­men, so sind sie immer hungrig; denn das Essen ist schon jetzt weit unter dem Existenz- Minimum und wird von Tag zu Tag schlechter. Schon am dritten Tag

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