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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
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schlechten Behandlung durchbrannte, im Straflager erlitt. Beim Baden sehe ich, daß der ganze Körper von Striemen ehemaliger Mißhandlungen und den Narben der Phlegmone das sicherste Zeichen von Unterernährung und Hunger bedeckt ist. Trotzdem

- wir uns kaum etwas sagen können, wird es eine mehr

als gewöhnliche Freundschaft, fast ein Verhältnis wie Vater und Sohn. Mir macht es Freude, dem armen, ausgehungerten Jungen, der einen offensicht- lich guten Charakter zeigt, mit Lebensmitteln zu unterstützen. Und er ist grenzenlos dankbar.

Auch Pater Kentenich hat seine Freude an unserem Verhältnis und es ist ergötzlich zu sehen, wie die beiden miteinander radebrechen.

Er ist aber der Einzige nicht, für den ich zu sorgen habe. Man könnte ja freilich rechts und links aus- teilen, soviel Not und Hunger ist da. Aber das geht janicht. So wählt man sich ein paar Schützlinge aus, und mir sind ja schon in Frankfurt

zsyei Pflesesöhne

zugeführt worden: Iwan und Fedor. Auch ihre Geschichte ist traurig. Iwan war kaum 14, Fedor 16 Jahre und ihre Schwester Maria 18 Jahre alt, als sie in der Abwesenheit der Mutter, die gerade Ge- treide fortbrachte, vom Arbeitsdienst zwangsweise abgeholt werden. Die beiden Jungens kamen zu einem Bauern nach Ostpreußen , das Mädchen zu einem Winzer an die Mosel . Das wäre gut gewesen, aber nach drei Monaten werden die Jungen in einen Rüstungsbetrieb in Essen gesteckt. Sie hüngern dort furchtbar und müssen schwer arbeiten.

Als ich Iwan sehe, ist er 17 Jahre alt, kann aber seine Finger nicht mehr gerade biegen, so verarbeitet sind sie schon.(Später ich weiß es noch genau habe ich Iwan veranlaßt, Fingerübungen und Hand- training zu betreiben mit der Begründung:Sonst bekommen Iwan nix Braut! Er lachte, aber er hat es doch getan.)

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