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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
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lästige Fliege mit einem Löffel Tee ab. Als er an meiner großen Freude sieht, daß er das Richtige ge- troffen hat, steht er von da an jeden Abend pünktlich mit dem Kochgeschirr voll Tee am Bett. Wie oft wird er aus der Stube hinausgetriebeh und doch er- gattert er zum Schluß einen Schlag Tee und bringt ihn mir, obgleich er selbst auch großen Durst hatte, das war ja die Generalkrankheit auf unserem Block; denn Wasser durfte wegen Seuchengefahr nicht ge- trunken werden. Getränke aber kamen in geringen Mengen und selten auf den Block. An einem Sonn- tagabend hatte ich Mischa mein Brot gegeben. An diesem Abend hatten wir ein Stück Wurst bekom- men. Ich hatte Besuch, Pater Kentenich und andere Herren waren bei mir. Mischa hielt sich ganz ehr- fürchtig in respektvoller Entfernung. Als die Herren sich aber entfernt hatten, kommt er treuherzig zu mir und bietet mir sein Stück Wurst an, als Gegen- gabe für das Brot. Das habe ich; freilich nicht ge- nommen, aber Freude gemacht hat es mir. An einem Tag habe ich einen hohen und einen tiefen Holzschuh erwischt und kann darin schlecht laufen. Da kommt Mischa mit einem dicken Holzpantoffel, macht mir durch eine Gebärde vor: ich liefea la Goebbels und bietet mir die Pantine an, und so ist er in 100 kleinen Dingen erfinderisch, immer dabei, mir seine Dankbarkeit zu bezeugen: sei es, indem er in stunden- langer, geduldiger Arbeit mein stumpfes Messer am Bordstein schärft, sei es, daß er absolut darauf be- steht, meine Taschentücher, die wegen meiner Er- kältung arg mitgenommen sind, zu waschen, sei es, daß er beim Erscheinen Pater Kentenichs auf dem Block mich gleich alarmiert mit dem Ruf:Gut Pop kommen! Überglücklich ist er, wenn ich ihm eine Zigarette verschaffe. Langsam lernen wir uns gegen- seitig verständigen. Ich erfahre, daß er Michael Massytsch heißt und aus Saparoshe am Dnjepr stammt, daß er 19 Jahre alt ist, daß er Furchtbares im Arbeitslager und dann, als er später wegen der

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