-Da standen wir nun auf dem Bahnhof Dachau und wurden von zwei SS-Leuten empfangen. Hier brauchte es keiner Fessel und keines Aufgebotes von Polizisten. Der furchtbare Eindruck der SS genügte auch so. Wir wurden in einen Autobus verpackt in geradezu unglaublich ungehöriger Enge. Ich konnte weder sitzen noch stehen noch liegen, sondern ich schwebte in halsbrecherischer Verrenkung irgendwie. Nur die Menge machte es unmöglich, daß man jeden Augenblick fiel. Dann ging es ab, bald durch eine ganz neue Siedlung, eine Straße der SS. Schon sahen wir die ersten Kolonnen der Häftlinge in ihrer Zebrakluft, blau-weiß gestreift, von bewaffneter SS und Hundeführern mit Hunden geleitet. Wir kamen durch eine Siedlung schöner Häuschen, in denen lauter SS -Familien wohnten, über einen mit schönen Blumenanlägen ausgestatteten, weiten Platz, dem Eicke-Platz, so benannt nach dem Erbauer und ersten Kommandanten des Dachauer Lagers, an einem großen, schönen Gemeinschaftshaus der SS vorbei und endlich waren wir vor der Hauptwache. Dahinter eine breite Betonstraße, rechts und links große Wirtschaftsbetriebe, ein Bekleidungslager der SS, Bäckerei, größe, riesige Schreinereien und Tisch- lereien, dann durch Baracken der Wachmannschaften hindurch wieder auf eine breite, blumengeschmückte, betongepflasterte Straße und hier hielt das Auto. Wir stiegen aus und wurden zum erstenmal re- gistriert. Es ging verhältnismäßig ruhig. Als ich meinen Namen nannte, dieser weitergegeben wurde, sagte der SS -Beamte nur spöttisch:„Pfaffe“, ebenso bei Herrn Kühnel, dann marschierten wir in einer Kolonne. Durch hohe Verwaltungsgebäude kamen?
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