einige Häuser gänzlich zerstört und das in der Nähe liegende neue Gericht brannte lichterloh.
An diesem Morgen war ich doch nun zu neugierig, zu erfahren, wie die Umgegend des Gefängnisses diesen Angriff überstanden habe. So verließ ich mich auf die Unaufmerksamkeit der Wachtmeister, deren Ordnung ja auch durch den Angriff völlig durch- einander gebracht worden war, und baute wieder einmal mit Waschbecken und Wasserkanne meinen Turm auf den Kübel, um mir wenigstens für einen Moment einen Blick auf meine Umgebung zu ver- schaffen. Kaum aber schaute ich durch das Fenster- chen, es war noch in der ersten Morgenfrühe, was sehen meine erstaunten Augen? Kommt da wahr- haftig um die Ecke Klapperfeldstraße-Heiligkreuz- gase meine Schwester, meine eigene, leib- haftige Schwester und meine älteste Kusine. Daß ich nicht von meinem Turm herunterfiel, war verwun- derlich. Ich klopfe ans Fenster und winke, was ich kann. Suche mich durch lebhafteste Bewegungen bemerkbar zu machen und siehe da— das vive Schwesterchen hat mich auch schon bemerkt und tut einen Quiekser, der zu normalen Zeiten die ganze Wachmannschaft alarmiert hätte. Ich mache ihnen durch Zeichen verständlich, daß ich etwas schreiben will, um es ihnen hinauszuwerfen. Nun hatte ich in den vergangenen Tagen ein Schreiben des Amts- gerichtes erhalten, das wortwörtlich also lautete:
„Auf Antrag des Oberstaatsanwaltes, als Sonder- beauftragten des Sondergerichts Frankfurt a. Main, verfüge ich, daß Sie sofort in Freiheit zu setzen sind, aus den berechtigten Gründen dieses Antrages. Amtsgerichtsrat XY“.
Mit diesem Schreiben hatte ich also die amtliche Be- stätigung in der Hand, daß das Gericht es ablehnte, ein Verfahren gegen mich zu eröffnen, offensichtlich, weil die vorgebrachten Beschuldigungen gänzlich unbegründet, unbewiesen und unwichtig waren. Ich
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