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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
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konnte bei der Niederschrift nicht ahnen, was dieser harmlose Satz auslösen würde.

Der Hintergrund der ganzen Erregung und schlim- men Behandlung war folgender: P. Kentenich, der schon seit 1942 in Dachau war, hatte es meisterhaft verstanden, durch Zitate und Anspielungen auf die Heilige Schrift über Dachau und die Verhältnisse alldort Aufschluß nach außen zu geben. Eines Tages nun waren die Vervielfältigungen dieser Briefe bei einem Frl. H. von der Gestapo gefunden und be- schlagnahmt worden. Obgleich ihnen die Gottes- mutter die Augen hielt, daß sie den eigentlichen Sinn nicht begriffen, so hatte dieses doch zur Folge, daß P. Kentenich in Dachau ein Schreibverbot bekam. Sogar ein Lagerbefehl wurde herausgegeben, daß alle Zitate aus der Hl. Schrift verboten seien, und die ganze Affäre war offensichtlich an alle Staatspolizei- stellen gemeldet worden. Kaum hatte Th. mein Schriftzitat gelesen, als er in seinem Mißtrauen glaubte, ich wollte meinen Verwandten versteckt da- durch etwas mitteilen. Er griff zur Bibel und das Unglück wollte, daß es die Luther-Bibel war. Die freilich hatte ich nicht benützt und konnte darum auch nicht wissen, daß gleich die erste Überschrift etwa so lautete:

Des gebundenen Pauli Danksagung ob seiner Gefangennahme, Gebet, Zuversicht und Ver- mahnung zum beständigen Glaubenskampfe.

Das faßte Th. ohne weiteres als eine Ohrfeige gegen die Gestapo auf und brüllte nun in erregter Wut: Das wird Ihnen-teuer zu stehen kommen. Er hän- digte mir bei dieser Gelegenheit den Schutzhaftbefehl aus. Ich mußte unterschreiben und er drohte mir: Jetzt können Sie sich also auf Ihre Reise nach Dachau vorbereiten.

Im Verlauf dieses Verhörs, bei dem er jetzt in offen- sichtlicher Wut ein Geständnis von mir erpressen wollte, wurde er tätlich, griff mich an, boxte mich

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