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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
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ETEREEEETTTT TUT

aber Frau Gustel stärkte wieder den gesunkenen Mut und die Erkundung begann aufs neue. Er bekam her- aus, daß ich im Polizeigefängnis saß. Von da an brachte er mir unter großen Schwierigkeiten, ab- wechselnd mit seiner Frau jede Woche meine Wäsche. In den ersten Wochen waren ihre Versuche vergebens, denn wegen der,schon erwähnten Quarantäne wurde keine Wäsche angenommen. Ca. 8&10 Wochen mußte ich damals in derselben Wäsche zubringen, die na- türlich dementsprechend aussah.

Aber sie ließen nicht nach und endlich war die Türe geöffnet. Natürlich versuchten sie es auch gleich mit einem Butterbrot. Das wurde ihnen aber rundweg abgelehnt. Sie machten aber jede Woche die zirka 65 km-Reise treu, um mir die Wäsche zu bringen. Ich ahnte damals nicht, wer mir so treu beistand. ‚In der Folgezeit aber sollte ihre Arbeit doch für mich noch große Bedeutung gewinnen, so jetzt, wo der Wachtmeister sie veranlaßt, mir mein Brevier zu bringen. Bis dahin stellt er mir sein eigenes Volks- brevier zur Verfügung und ich kann nun auch wieder die heiligen Zeiten mitfeiern.

Es wird also immer schöner in der Untersuchungs- anstalt und mir fehlt wirklich fast nur die Frei- heit. Freilich vermisse ich noch ein anderes sehr:

Arbeit! Nicht die körperliche, die habe ich ja jetzt, und zwar eine Arbeit, für die mir die gesamte Damenwelt Dank wissen muß: ich arbeite Haar- schützer für Dauerwellen. Für diese Arbeit bin ich ja dankbar. Sie geht mir flott von der Hand und läßt Zeit zum Simulieren. Was ich aber ersehne ist: Arbeitin meinem eigenen Fach. Wieder etwas geistig tun zu dürfen. Und nach der langen Abstinenz quellen die Gedanken in meinem Gehirn. Jetzt schreiben zu können!

Und eines Tages wird auch das Wirklichkeit. Durch meine Papierarbeit bin ich ja im Besitz von Papier, freilich merkwürdigen Formats. So muß ich meine

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