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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
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schauen und es kommt mir so die Erinnerung: den muß ich doch irgendwo gesehen haben. Eines Tages kommt mir die Erleuchtung: sollte das etwa Dr. Sch. sein, derFritz aus dem Polizeigefängnis? Wie gesagt, wir hatten uns s. Zt. nie gesehen. Wenigstens waren wir uns bei dem einen Mal, als wir uns beim Rasieren nach der Quarantäne trafen, nicht bewußt, daß wir es waren, kannten uns nur an der Stimme. Eines Morgens, als ich gerade in seiner Nähe vorbei- gehe, sage ich leise:Grüß Gott, Herr Doktor! Er fährt herum, sagt aber kein Wort. Als ich wieder nach dem Spaziergang auf meiner Zelle bin, dauert es keine 5 Minuten, da klopft es an meiner Tür und eine Stimme flüstert durch den Türspalt:Sagen Sie mal, sind Sie Herr Poieß? Und nun ists wirklich Fritz, der da draußen steht. Er hat eine ziemliche Freiheit im Hause; denn sein Verwandter ist der Chef des Gefängnisses, Oberstaatsanwalt X. Er ar- beitet in der Packerei und das ermöglicht ihm, von Zeit zu Zeit unter irgend einem Vorwand durchs Haus zu gehen. Wir begrüßen uns mit großer Freude. Zunächst freilich bleibt unsere Verbindung auf wenige Dinge beschränkt.

Allmorgendlich grüßen wir uns vor und nach dem Spaziergang heimlich, verstohlen damit die Wachtmeister es nicht merken. Im Pfeif-Konzert höre ich auch täglich eine neue Stimme. Er pfeift den Anfang des Adagio-Teiles von Beethovens Vio- lin-Konzert. Daran erkenne ich ihn. Auch er pfei? jeden Morgen mitWir werden nicht untergehen! obgleich ihm der Sinn dieser kleinen Melodie noch unbekannt ist. Aber, daß es die Pallottiner -Familie ist, die sich grüßt, das hat er bereits gemerkt und zählt ‚sich zu uns. Wieder wird das Gefängnis mir so heimischer.-

Was das Gefängnis weiter dem Polizeigefängnis vor- aus hat, ist etwas ganz Wichtiges:

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