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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
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Geraten dabei natürlich manchmal in Gefahr, vom Wachtmeister geschnappt zu werden und in den Bun- ker zu kommen.(Es gab im Gefängnis auch noch den Strafbunker, der sich von der gewöhnlichen Zelle dadurch unterschied, daß man auf dem Boden schla- fen mußte und nur Wasser und Brot bekam.) Wir lassen uns aber im ganzen nicht stören. Allmorgend- lich begrüßen wir uns mit dem trotzig-gläubigen, ge- pfiffenen Gruß:Wir werden nicht untergehen.

In diese stille Zeit hinein fällt auch ein bedeutendes Ereignis für mich.

Ich gewinne einenFreund.

Und das ging so: Wir sind ja im Januar 1943. Ich bin ganz im Unklaren über die politischen Vorgänge draußen. Da tönt am Abend des ersten Tages als ich auf dem neuen Gang war eine sonore Stimme offenbar aus der Zelle gerade neben mir:Ach- tung, Achtung! Ich verlese jetzt den Wehrmachts- bericht. Und mit Spannung höre ich die Ereignisse von Stalingrad , die Eroberung von Tripolis , die ganze veränderte Weltlage. Da ich instinktiv fühle, daß die Peripetie von Stalingrad auch die Peripetie von meinem und meiner Brüder Schicksal ist, lausche ich atemlos. Ich merke, wie hinter allen Türen die Leute lauschend stehen; denn man gewinnt im Ge- fängnis einen neuen Sinn. Das Gehör wird über- scharf. Man weiß, ob ein Wachtmeister von rechts oder von links kommt. Man weiß, wie einer in der Zelle steht und spricht. Zum Schluß fühle ich mich gedrängt, meinem Nachbarn zu danken, und das ist der Anfang unserer Freundschaft, denn Nr. 43(ich bin inzwischen Nr. 42 geworden) stellt sich als Fritz vor, das ist sein Deckname, während ich ein- fach alsMax fungiere. Und nun beginnen die geistigen und geistlichen Gespräche hinter der Eisen- tür. Fritz ist von Beruf Wirtschaftler, Besitzer zweier Lederfabriken, die er durch eigene Tüchtigkeit in die

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