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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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ebenfalls zu Tode befördert wurde, schon erheblich teurer gewesen."

,, Du sprichst in grauenhaften Rätseln", beklagt sie sich.

Nun erkläre ich endlich den schaurigen Sachverhalt. Die Witwe des hingerichteten Betriebsassistenten Lehmann konnte die Rechnung für die Ankurbelung des Fallbeils in Höhe von vierhundertachtzig Mark, die ihr die Gefängniskasse Plötzensee übersandte, nicht bezahlen. Da kam der Gerichtsvollzieher und pfändete das gute Eßzimmer, das dann allerdings die fremden Bomben unter Pfandbruch bald darauf vernichtet haben. Frau Lehmann meint, sie werde doch das Geld jetzt nicht mehr zu bezahlen brauchen.

Ja, Frau Lehmann, Sie dürfen die vierhundertachzig Mark dem dritten bis zehnten Reiche schuldig bleiben. Man schuldet Ihnen mehr! Aber wer weiß, ob sich bei uns nicht bald wieder ein Justizbüttel findet, der das Blutgeld gewalt­sam einkassiert.

Ich fürchte nur, die süße Grießsuppe im Zuchthaus wird uns heute doch sehr bitter sein!-

Mir ist meine Frau noch immer eine Schilderung ihrer Monate im KZ- Lager Ravensbrück , der bösen Frauenmühle, schuldig ge­blieben. So gern sie sonst plaudert, über die KZ- Zeit schweigt sie sich am liebsten aus.

,, Weißt du", sagte sie einmal ,,, KZ war im Grunde viel be­drückender als Zuchthaus, obwohl es offiziell die mildere Strafe war. Im Gefängnis und Zuchthaus sind immer nur Hunderte oder wenige Tausende von Unglücklichen beieinander, und diese noch in ziemlicher Isolierung, während ein KZ doch geradezu eine offene Großstadt des Elends ist, eine Stadt mit langen Lagerstraßen, endlosen Wohnblöcken und vor allem mit Krematorien! In den Strafanstalten war man auch noch immer ein bißchen durch die Dusseligkeit der kleinen Bürokratie ge­schützt, im KZ aber war alles von vornherein auf Niedertracht und Vernichtung zugeschnitten."

An einem schönen Sommerabend sitzen wir auf der stillen Halbinsel inmitten der verwilderten Wasserkunst des Röhren­sees, die ersten Lichter spiegeln sich im magischen Orange der flaschengrünen Fläche.

Eine Traumlandschaft umflimmert uns, die alles Erlebte entbindet. Da lösen sich in ihr die verkrampften Erinne­rungen, mit einem verhaltenen Lächeln sucht sie die Erschütte­

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