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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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schlendern Amisoldaten mit drohender Maschinenpistole, auf dem Rücken, aber manche von ihnen schieben einen deutschen Kinderwagen. So renkt sich alles Menschliche wieder ein. Die bemoosten Sandstein- Amoretten besehen ihre Kratzwunden und lächeln verschämt. Auch die grünen Parkflächen, jetzt von Bomben wie von riesigen Maulwürfen mit Lehmklumpen über­strudelt, werden eines Tages wieder so aussehen, wie es Gott und die Gärtner gewollt hatten.

,, Übrigens, da fällt mir ein", sage ich auf einem Abend­spaziergang zu meiner Frau ,,, seit heute mittag sind wir- frei. Im Vorbeigehen bekam ich auf dem Korridor unsere Ent­lassungspapiere in die Hand gedrückt. Ich hatte überhaupt nicht mehr daran gedacht." Wir besehen uns die Scheine. Da steht in zwei Sprachen zu lesen, daß wir wieder ,, freie deutsche Bürger" seien.

,, Das klingt ja vielversprechend", meint sie belustigt, und fährt dann nachdenklich fort: ,, Aber weißt du, ich hatte mir im Knast die Freiheit eigentlich noch viel freier vorgestellt. Man ist hier draußen auch dauernd eingeengt und von Verboten um­geben. Und dann die Schwellungen über dem Knöchel, dicke Beine sind was Ekelhaftes. Das kommt nur von den vielen fetten Suppen! Die Hungerkost hatte auch ihr Gutes, man blieb elastisch wie ein Ball."

Ja, so ist nun der Mensch. Immer will er das, was er nicht hat. Immer sehnen wir uns nach den andern Dingen, sogar die bitterste Not hat noch nachträglich ihre Lockungen.

Natürlich hatte ich längst den Vorsatz gefaßt, meine Aben­teuer mit dem Volksgericht, in den Gefängnissen und in Büt­tenbergs Lazarett für das verehrliche Publikum niederzuschrei­ben, also meinen ersten Aufzeichnungen die literarische Form zu geben. Es ist ja schließlich mein Beruf. Aber so weit ging nun mein Eifer als Reporter doch nicht, daß ich nur deswegen Hochverrat verübt und den Kopf riskiert hätte.

Im düstern Hofe eines stillgelegten Bayreuther Zeitungs­hauses schlage ich mein publizistisches Hauptquartier auf. Wie fliegen die Zeilen leicht und munter auf das Papier nach dieser langen unfreiwilligen Pause; ich werde sobald nicht aufhören, zumal es in Bayreuth unendlich viele Bleistifte gibt. Ja, Blei­stifte ist das einzige, was in dieser ausgeplünderten Stadt im Überfluß vorhanden ist, das liegt ganz einfach an der fränki­schen Pley- Feder- Tradition.

Frau D., das ,, erstaunte Kaninchen" aus dem Amazonenlager

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