im Bergwald, ist meine Privatsekretärin geworden. Sie treibt mich zur Eile, um Manuskriptfutter für den alten Schreibklapperkasten zu kriegen, auf dem sie mit erstaunten Sinnen kopfschüttelnd und kopfnickend meine Erlebnisberichte tippt. Sie hat die eilige Autoreise nach Berlin zu dem vermißten Gatten vorläufig aufgesteckt, und da möchte sie nun die Nerven, diese Unruhgeister, durch Arbeit betäuben.
Ich habe eine Linotype- Maschine aus der Druckerei für den Satz meines künftigen Buchtextes ankurbeln lassen. So fliegen also auf meinen ,, Redaktions "-Schreibtisch immer gleich die feuchten Fahnenabzüge. Ich bin nun schon wieder ,, Schriftstellereibesitzer", aber auch diese Publizistik ist nur gespenstisches Alsob, nur ein Gewohnheitsspiel ohne Wirklichkeit.
Neulich ging ich zur Reportage aufs Feld der Politik und des Todes. Wir gruben den ermordeten Gauleiter aus. Den Bayreuther Gauleiter Wächtler, den versoffenen Fettwanst, hat sein einstiger Stellvertreter und Rivale am Tage vor dem Fall Bayreuths in einem Gebirgshotel, einer alten Bonzen- Schlemmerstätte, erschießen lassen. Die Niedermetzelung auf angeblichen Führerbefehl war ein Racheakt dafür, daß ihn Wächtler hier einmal demütigte und dem Gespött preisgab, als er dem trunkenen Untergebenen befahl, eine Sektflasche in der Kniebeuge auf einen Zug zu leeren. Das ging nicht gut und gab ein Satansgelächter. Auf jenen Weinrausch folgte jetzt nach Jahren des Hasses Blutrausch in letzter Minute. Nun graben die Amis die Leiche des tyrannischen Trinkers aus und photographieren sie. Ich zeige das barbarische Bildchen den Bayreuthern im Wirtshaus, und ihnen will das dünne Bier der Bußezeit nicht mehr recht schmecken.
Gewitter zucken über Bayreuth und reinigen den glutdurchdunsteten Talkessel. Wir sind im Fichtelgebirge gewaltig eingeregnet; mein neuer blauer Papierstoffanzug, auf den ich so stolz war, umschlottert mich als zerlaufener Lappen. Gestern habe ich unterwegs mit heimkehrenden Landsern wie ein dummer Junge unreife Apfel geschüttelt. Unsere Extrawurst im Keller hat die Katze gefressen. Aus dem Haus der schlechten Erziehung, dem einstigen Sandstein- Olymp der deutschen Hakenkreuzpädagogen, werden Stapel angebrannter und durchweichter Weltanschauungsfibeln à la Rosenberg geschleppt. Doch zwischen Schutt und Unfug blühen hochfürstlich die roten und weißen Gladiolen, wie sich das für eine barocke Residenzstadt gehört.
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