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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Käthe deutet auf ein wohlverschnürtes Bücherpaket, das aus ihrer Einkaufstasche ragt. Sie hat alle meine Bücher in den verschiedenen Fassungen und Ausgaben entstehen sehen, samt ihren Verschandelungen, sie hat sie getippt, sie hat die Korrek­turen gelesen, sie kennt ihre Schicksale und Grotesken besser als ich.

,, Welche Bücher habt ihr denn mit? Echte oder getarnte oder gefälschte?"

,, Den großen, Hindenburg', von vierunddreißig und die, Luft­schmiede von Dessau ', also ein historisches und einen Roman", erklärt mir Käthe ganz sachlich.

,, In eingestampftem Zustande wären sie bekömmlicher", höhne ich. ,, Beides angebräuntes Ragout aus Historie und Roman, aus Tatsachen und Schwindel. Alles verdreht, ver­logen, verrückt wie ich selber und diese Zeit."

,, Aber wieso denn nur?" fragt meine Mutter.

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, Ganz einfach", sage ich mit grimmiger Betonung. ,, Hinden­burg und Professor Junkers sind beides Männer, deren Lebens­ende durch den heutigen Machthaber tragisch verdorben wurde. Junkers wurde in den Tod gehetzt, und Hindenburgs Grab mußte mit einer elenden Legende zugedeckt werden."

,, Was soll das schon wieder heißen?" mischt sich in plumper Neugier der Kontrollwachtmeister ein.

Ach richtig, der Mann ist ja auch noch da. Ich bin noch immer kein ausgelernter Knastologe. Ach was, ich bin unzu­rechnungsfähig, ich habe den intellektuellen Jagdschein.

,, Das sind so meine Marotten, Herr Wachtmeister. Mit mir geht's manchmal so durch. Ich klettere an meinen Gitterstäben in den goldenen Mond und schreibe Weltgeschichte für die wilden Hanswurste hier unten. Meine Dichterphantasie ist' n bißchen hysterisch geworden."

Käthe lacht wider Willen, der Beamte zieht sich mit einem leeren Schmunzeln aus der Affäre, meine Mutter legt die Mundwinkel in strenge Falten. Sie miẞbilligt das Zeitmilieu, aber auch meine Travestien.

,, Herr Doktor, ich habe neulich geträumt", sagt Käthe leise und langsam ,,, Sie hätten mir neue Fassungen für den Schluß der beiden Bücher zum Abschreiben gegeben. Und da dachte ich, die letzten Exemplare von der alten Fassung könnten wir dem Herrn Obermedizinalrat bringen. Ja, Herr Doktor, ich träume manchmal, daß wir wieder zusammen arbeiten werden. Das ist mein fester Glaube!"

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