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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Neues Golgatha

Liebe, du heilige Bindekraft, dich erlebt keiner so mächtig wie der Gefangene, den sie aus allen Fugen seines Lebens gerissen haben. Ja, es gibt viele Gemeinschaften, und alle tun sie so, als wenn sie das blanke Schild der Treue für sich gekapert hätten. Wo aber einer wirklich Treue braucht, da sind die markigen Treuschwüre flüchtig wie Wasser. Nur die Liebe ist treu, und nicht einmal alle Liebe.. Sinnenliebe versiegt nach der Sättigung.

Die Wahlliebe, in der sich Geist und Herz verschmelzen, ist beständiger. Aber endlos unergründlich webt und waltet die Mutterliebe.

Meine gute Mutter darf mich noch einmal besuchen. Sie geht schon wieder etwas gebeugter, aber sie ist geistesfrisch wie eine letzte Blume am Wintermorgen. Auch ihr neuntes Jahrzehnt kann höchstens den Körper niederdrücken. Ihre Nerven sind überwach. Sie erzählt von ihrem Geburtstag. Als sie noch beim Kaffee saßen, kam das geflügelte Unheil, und sie mußten in den Keller. Unserm Hause wurden dabei alle Glas­augen eingeschlagen. Das ist nur ein unscheinbarer Splitter im Alltag, aber leider schlug die Furie meinem Vater auf die Brust, und er konnte auch jetzt noch nicht mitkommen.

Dafür hat die gute Käthe meine Mutter begleitet. Sie bringt mir ihren silberschimmernden Handspiegel mit. Ich hatte sie vor Wochen um einen Spiegel gebeten, gewiß nicht aus Eitelkeit, aber aus einer Anwandlung, die ja im normalen Dasein als Selbstverständlichkeit erfüllt wurde: man muß zuweilen auch sich selbst im Ebenbild erleben. Man sucht sich, um sich seine Existenz zu beweisen. Käthes Handspiegel hatte früher an dem polierten Griff eine rosa Schleife. Sie fehlt, sie wäre auch eine falsche Flagge neben der grauen Sphinx der Zeit. Spieglein, Spieglein in der Hand! Was ist das Allerärgste im Land?

Ich muß nach dem Spiegel greifen und hineinschauen. Mein Erschrecken tut weh wie das Zerren an einer Geschwulst. Ich

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