einen Wechsel von manischen und melancholischen Anfällen; schwereren manischen Ausbrüchen können leichte depressive Zustände folgen und umgekehrt. Wie oft und in welcher Stärke der Umschwung erfolgt, bleibt meistens ungewiß. Tritt eine gewisse Regelmäßigkeit im Wechsel ein, so spricht man von zirkulärem Irrsinn. Dabei gibt es gewöhnlich eine krankheitsfreie Zwischenzeit.
Und diese Atempause brauche ich. Es darf nicht Mißtrauen erwecken, wenn ich gelegentlich als ganz normal ertappt werde. Eine scharfe Grenze zwischen zirkulärem Irresein und dem unregelmäßigen Auftreten der manischen und der depressiven Zustände kennt die Psychiatrie offenbar nicht.
Und darauf baue ich meinen psychischen Feldzugsplan.
Ich erinnere mich auch, daß manische und depressive Leiden den Vorzug haben, in sehr vielen Fällen heilbar zu sein. Das ist für mich wichtig. Die Ärzte müssen meine Wiederherstellung für wahrscheinlich halten. Andernfalls würde natürlich das Verfahren gegen meine Tatgenossen, gegen die Frau und den Freund, von dem meinigen abgetrennt, und ich könnte höchstens mich selber retten. Falls sie mich nicht als zwecklosen Fresser abspritzen". Dieses neue Verfahren heißt, Euthanasie".
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Wahrscheinlich wäre eine schwere Geisteskrankheit, zum Beispiel die Paranoia, in intellektueller Beziehung leichter zu schauspielern. Denn bei dieser paranoischen Zerrüttung, dieser , Verrücktheit" im engsten Wortsinne, verdichten sich die krankhaften Vorstellungen zu einem logisch durchgearbeiteten Wahnsystem. Der Standort, den die Paranoiker gegenüber der Umwelt einnehmen, ist völlig verrückt worden, die Wahnpsychose hat ihren festen Platz bezogen.
Man brauchte sich also nur einmal eine verrückte Geschichte zusammenzureimen, sie logisch fest zu verankern, und dann könnte man ständig ein und denselben Spielfilm laufen lassen. Doch nein! Es geht nicht! Ich muß gerade den Verdacht auf Paranoia vermeiden, schon deshalb vermeiden, weil ich diese Krankheitsrolle niemals abbrechen dürfte, wenn es mir etwa richtig erschiene.
Viele Psychiater sind kaum zu bewegen, von ihrer Diagnose abzugehen. Daß ein Irrer sich selbst für gesund erklärt, macht auf sie höchstens einen krankhaften Eindruck.
Alle diese Erwägungen stellen sich freilich nicht mit einem Schlage ein, sie sind die mühsam gefilterten Tropfen aus hundert
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