Ich werde manisch- depressiv
Meine durchgewürfelte Habe im blauen Bettbezug, so wanke ich über den gepflasterten Gartenweg in die zweistöckige rote Kasernenvilla des Lazaretts. Ich könnte auch munter ausschreiten, denn ich fühle mich trotz der Sacklast leicht wie ein Federball. Alles wirklich Schwere liegt vor mir. Aber ich wanke lieber, um mich in meine Rolle einzufühlen. Manchmal verdrehe ich die Augen, um in mimischer Übung zu bleiben.
Der begleitende Wachtmeister beachtet mich nicht, für ihn bin ich nur eine Gefangenenbuch- Nummer, die krank geschrieben ist und ins Lazarett geschafft wird.
,, Ein Mann von Haus I ins Lazarett." Er übergibt mich der Aufnahme. Ich warte in der Ecke, bis der Lazarettverwalter von seinem Schreibtisch aufsieht und mich bemerkt. Er trägt einen blütenweißen Mantel und sieht unendlich entfernt aus, und aus beziehungsloser Ferne nimmt er mich wahr. Das gefällt mir, das muß mir die Rolle erleichtern. Interessierte Leute kann ich nicht gebrauchen.
Wieder mal die fragenden Rubriken. Ich gebe die Personalien mit zerrütteter Langsamkeit, mache aus Vorsicht ein paar kleine Fehler. Unbekümmert trägt der Verwalter alles ein und fragt dann unbeteiligt nach der Krankheit. Ich wiege nur trübe den Kopf und wiege ihn wieder. Er wartet, aber der unruhige Hilfssanitäter mit den eckigen Bewegungen hat Eile. Der Verwalter, mit seinen Gedanken in irgendeiner kriselnden Ferne, starrt auf den Überweisungszettel. ,, Ach so", summt er nach einer Pause. ,, Das ist der. Na, auch gut. Mit dem stimmt was nich. Der wird beobachtet."
,, Runter mit ihm in den Keller, in den Dunkelbunker für Beobachter?"
,, Nee", sagt der Verwalter, als müsse er sich erst besinnen. ,, Soll er nich. Der soll nach oben. Legen wir ihn nach 29." ,, Also zu dem Durchgedrehten?"
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,, Ach was, durchgedreht", antwortet der Verwalter. ,, Bei mir


