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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
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in die Posse. Der Landsmann Macchiavellis zeigt ein leichtes, schönes Erschrecken.

,, Si, si, Signore", bestätige ich. ,, Wieder unecht! Ich tarne mich. Ich tarne meinen Geist, ich werde verrückt! Das ist ja das Niederträchtige an dieser Diktatur, daß sich der Geist immer tarnen muß. Alles läuft in fremden, lügnerischen Kostü­men herum. Keiner darf der sein, der er ist. Aber einmal werden wir doch Schluß machen mit diesem Todesfasching."

,, Todesfasching", stöhnt er. ,, Ach, wie fürchterlich!"

,, Wir wagen unser Leben für das Leben", rufe ich mit leiser Stärke. ,, Die Hitlerianer sterben nur für den Tod. Ich spare mich auf für das Leben. Chi vuol esser lieto, sia, das ist meine letzte certezza."

Wir drücken uns noch einmal die Hand, ich merke schon Un­ruhe bei meinen Nachbarn, gleich wird man uns abholen.

,, Leben Sie wohl, viel Glück für die Flucht. Wir bleiben ver­bunden als Partisanen des Geistes." Und mit romantischem Pathos hauche ich dem Abmarschierenden nach: ,, Grüßen Sie die tapferen Partisanen des unsterblichen römischen Volkes." ,, Achtung, Krankmelder vorwärts, marsch!"

Achtung! Der Aufstand gegen die Tyrannis der Lüge geht weiter. Ich tarne mich mit dem Geiste gegen die rohe Gewalt! Ich schwinge jetzt die geistige Partisanenwaffe, den Morgen­stern des Denkens! Geist, werde Tat! Jeder kämpfende Ge­danke verlängert das Leben. Je mehr du gedacht hast, desto länger hast du gelebt!

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