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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
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der Kommandant in jener erhabenen Stunde nicht mit Kameraden angesprochen hatte.

Noch ehe wir uns von dem Schrecken erholt hatten, der die unmittelbare Wirkung jener Ansprache war, wurde mit der praktischen Durchführung des Evakuierungsbefehls begonnen. Was Bergen-Belsen bedeutete, wußte unter den Häftlingen damals noch niemand. Selbst wir, die im Arbeitseinsatz saßen und sonst im allgemeinen recht gut informiert waren über die Verhältnisse in den verschiedenen Lagern, konnten über dieses in der Lüneburger Heide gelegene Lager und seinen Kommandanten Kramer etwas Genaueres nicht in Erfahrung bringen.

Hingegen bestanden über die Zustände im KL Mauthausen keine Zweifel. Von dort waren gelegentlich Häftlinge nach Sachsenhausen gekommen und hatten uns eingehend in- formiert.

Aus Bergen-Belsen war nie jemand gekommen.

Die Überführung von etwa 12000 Häftlingen begann im De- zember 1944; sie machte eine gewaltige Verringerung der Belegschaften in den einzelnen Betrieben erforderlich, Ver- schiedene Betriebe wurden ganz eingestellt.

Unter den nach Bergen-Belsen verschickten Häftlingen be- fand sich auch der Bonner Philosophieprofessor Johannes Verweyen , den ich in einem der vorigen Kapitel bereits ein- mal erwähnt habe. Wiewohl wir über die Verhältnisse in - Belsen nicht unterrichtet waren, hatte ich doch das dumpfe Gefühl, daß dort Dinge geschähen, wie man sie von Ausch- witz und Maidanek her kannte, und groß war demzufolge mein Schrecken, als mir Verweyen eines Abends mitteilte, er habe sich freiwillig zum Transport nach Bergen-Belsen gemeldet, da er den Anstrengungen eines längeren Fuß- marsches nicht gewachsen sei. Ich versuchte, ihn zu einer Zurücknahme dieser Freiwilligenmeldung zu veranlassen, und verhehlte ihm meine Befürchtungen nicht, Aber Verweyen schüttelte den Kopf und meinte:Und was geschieht mit mir, wenn ich hier bleibe?

Darauf konnte ich ihm keine Antwort geben. Keiner von uns wußte, was mit ihm geschehen würde. Die düstere Ah-

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