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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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Hier wäre zu untersuchen, ob und inwieweit der von Kuhnke und seinen Kumpanen ausgesprochene Verdacht im Grunde falsch oder begründet war. Heute kann gesagt wer- den, daß die politischen Widerstandsgruppen im Lager tat- sächlich über einen viel größeren Aktionsradius verfügten, als das seitens der SS erkannt oder angenommen wurde. Eine rein ideologische Konspiration gegen den Faschismus bildete schon, ohne besondere organisatorische Vorbereitungen, die Grundlage eines gemeinsamen Widerstandswillens, auf der sich wenn auch in einer sehr schwer erkennbaren, weil gut getarnten Form die einzelnen positiv arbeitenden Wider- standsgruppen aufbauten, Die positive Arbeit, die hauptsäch- lich aus den in allerlei Schlüsselstellungen tätigen politischen Häftlingen geleistet wurde, erstreckte sich in erster Linie auf die Sabotage von Anordnungen, Beobachtung der SS, Besei- tigung von Aktenstücken und Karteikarten, Nichtdurchfüh- rung von Transportvorschriften und Verbreitung von Nach- richten der Auslandssender, die von den in SS -Dienststellen beschäftigten Häftlingen mit abgehört werden konnten. Durch die internationale Zusammensetzung der Häftlingsgesamtheit war es auch immer wieder möglich, Beziehungen zu anti- faschistischen Auslandssruppen herzustellen und Vorberei- tungen zu treffen für den Tag, an dem die nationalsozialisti- sche Macht zusammenbrechen und die Verbindung mit den amerikanischen oder russischen Truppen aufgenommen wer- den mußte. Diese Arbeit, die sich begreiflicherweise nicht vor den Augen der Häftlingsmehrheit vollzog, erweckte selbstver- ständlich den Verdacht derjenigen, die sich durch ihre offen- kundige Bereitschaft zum Verrat in die wichtigsten Positionen der Häftlingslagerleitung gedrängt hatten und die in Sachsen - hausen glücklicherweise keine politischen Häftlinge, sondern Berufsverbrecher und Asoziale waren. Denn obgleich Galli- pavi, Kokoschinski und Volck den roten Winkel der politi- schen Gefangenen trugen, waren sie den Voraussetzungen ihrer Haft gemäß nur insofern Träger eines politischen Ge- dankens, als sie nicht gegen, sondern für die SS und damit für den Nationalsozialismus arbeiteten. Als Zuträger des Zu- trägers Kuhnke gingen sie bei der Sonderkommission zwar

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