nichtungslager" zur sofortigen Beseitigung aller Kranken und Arbeitsunfähigen, und endlich als„ Arbeitslager" zur Aufnahme und Unterbringung der für den raschesten Wiederaufbau der deutschen Städte eingesetzten Ostarbeiter, Keiner dieser Menschen hätte jemals seine Heimat wiedergesehen. Nach dem alten Demagogenprinzip, den zur Fron gepreßten Menschen für seine Arbeit nur so lange zu entlohnen bzw. leben zu lassen, wie die zu bewältigende Aufgabe seiner Mitwirkung bedurfte, hätte Hitler nach einem gewonnenen Krieg seine Aufbaupläne mit seiner Entvölkerungstechnik erfolgreich. gekoppelt und damit zweifellos die ungeteilte Bewunderung seiner ihm blindlings ergebenen Anhänger gefunden. Da, wie der Generallinienplan des KL Sachsenhausen verriet, auf den Ausbau der Krematoriumsanlagen ein ganz besonderer Wert gelegt werden sollte, kann man sich unschwer vorstellen, in was für einem innigen Verhältnis eine solche Bewunderung zu der ,, sittlichen Idee" jenes Vorhabens gestanden hätte.
Ein nicht minder interessantes Bauvorhaben, das zu 80 Prozent sogar noch fertiggestellt wurde, war das„, Sonderlager II", als dessen Übergabetermin der 1. Juni 1944 angesetzt war. Dieses„ Sonderlager", an der von Schmachtenhagen nach Sachsenhausen führenden Straße gelegen, bestand aus einer Reihe von sehr sorgfältig ausgeführten Steinbaracken, Einzelunterkünften für je einen oder zwei Häftlinge mit Trennmauern, die jede Unterkunft gewissermaßen in ein kleines Lager abteilten. Jede Unterkunft enthielt einen Wohn- und einen Schlafraum, ein eigenes Bad, Zentralheizung und einen kleinen„ Beobachtungsraum", letzteren offenbar für den SS- Posten. Ein eigener Lazarettbau mit Schwesternzimmern und Arztwohnung, ferner ein sehr weitläufig ausgestattetes Wirtschaftsgebäude, ein Bibliotheksbau und ein separates Haus für Besucher ließen darauf schließen, daß dieses bis zum 1. Juni 1944 unter allen Umständen fertigzustellende Lager nicht für gewöhnliche Staatsfeinde, etwa meines Schlages, sondern für eine Elite von solchen gedacht war. Der Druck, der seitens der Zentralbauleitung auf die Durchführung und Beschleunigung der Bauarbeiten ausgeübt
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