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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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Geräte hatte man eingeschaltet, um etwaige Tumulte der Gefangenen und vor allen Dingen die in Abständen von fünf Sekunden fallenden Pistolenschüsse zu übertönen. Laut Berichten, die wir auf Umwegen und über die Häft­linge verschiedener Verpflegungsbetriebe, die wiederum mit dem Kalfaktor des Krematoriumskommandos in Berührung kamen, erhielten, vollzog sich die Exekution in der Weise, daẞ jeweils 50 Gefangene in den Auskleideraum geführt wurden, wo sie sich, unter dem Vorwand, entlaust, unter­sucht und gebadet zu werden, ihrer Kleider entledigen mußten. Von hier aus kamen sie in das Untersuchungs­zimmer", wo von einigen ,, SS- Ärzten" eine Scheinunter­suchung durchgeführt wurde. Jeder Untersuchte mußte dann durch den Zwischengang in den eigentlichen Exekutionsraum treten, wo er, unter dem Winkelstück der Meßlatte stehend, den tödlichen Genickschuß empfing. Diesen gab ein SS­Schütze, der sich in dem hinter der schlitzförmigen Scharte befindlichen Raum aufhielt, durch eine Bohrung im Ver­tikalstück des Meßwinkels ab. Da dieser Meßwinkel ver­änderlich war, je nach der Körpergröße des Opfers, traf der Schuß in sämtlichen Fällen sein Ziel. Sofort nach Entfernung der Leiche erfolgte durch ein in das Untersuchungszimmer geleitetes Lichtzeichen die Fortsetzung der Aktion, das heißt die Erschieẞung des nächsten Gefangenen. In den ersten dieser Exekutionsnächte war an Schlaf nicht zu denken. Unsere Baracke befand sich in nächster Nähe der Hin­richtungsstätte, von dieser nur durch eine Mauer und den elektrischen Drahtzaun getrennt. Immer und immer wieder, fast die ganze Nacht hindurch, hörten wir das An- und Ab­fahren des grauen Wagens, das Dröhnen der Motorspritze und dumpf die in monotonem Gleichmaẞ fallenden Schüsse. Wir hatten schon viel gesehen und erlebt in diesem Lager; man war auf das Äußerste gefaßt. Wir hatten gesehen, wie am 9. November 1940 dreiunddreißig junge Polen vor dem Turm A entkleidet wurden, wie man ihnen mit Blaustift eine Nummer auf die Brust malte und wie man sie im Lastwagen nach dem Industriehof schaffte, wo man sie in einer Sand­grube erschoẞ. Wir wußten, daß dort hinten Fürchterliches

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