traumhaften Zukunft stand, Das sind natürlich nur glossie- rende Worte, denn in Wirklichkeit hatte dieses Vieh niemals eine klare Vorstellung von den politischen Zielen seiner Partei besessen, geschweige vom Wesen und von der Idee dessen, was die Welt Sozialismus nennt.
Böhm war der Chef des Krematoriums; aber er war nicht der einzige seines Genres. Er hatte in der Person von„Perrunje“ einen Verbündeten, der ihm in nichts nachstand, ja sogar — wenn es darauf ankam— noch übertraf.
Und es kam darauf an!
Perrunje war Schlesier, Oberschlesier , sein wirklicher Name lautete Georg Mandel, mit dem er freilich nie genannt wurde, denn Perrunje war eben Perrunje, nach jenem polnischen Fluch, den er ständig im Munde führte und der jeden seiner in einer harten und holprigen Sprache vorgetragenen Sätze begleitete und bekräftigte. Perrunje war ein untersetzter, molliser Mensch, an dem alles ein wenig schwabbelte wıe Sulzfleisch, mit einem roten Bierbrauerkopf und betörend scheinheiligen Augen. Jeder seiner Blicke war ein offenkun- diger Verrat an der Sache der Menschheit, eine aufdringliche Lüge. Seine Hände waren klein und weich und hatten Kurze, wurstförmige Finger. Er bewegte sich geziert wie ein dickes, kokettes Weib, ganz im Gegensatz zu dem Reptil Böhm, das mehr rutschte als ging.
Was Perrunje früher einmal für einen Beruf ausgeübt hatte, weiß ich nicht. Da er einen schwarzen Winkel trug, nehme ich an, daß er sich der Zuhälterei befleißigte, die ja ein sehr weitläufiges und vielseitiges Gewerbe ist. Jedenfalls trieb er nebenher einen kleinen Handel mit Diebesware, war wohl auch Spitzel und Seelenverkäufer, aber auf alle Fälle kein beherzter Bandit, wie so mancher Bevauer, sondern ein feiger und verantwortungsloser Strolch.
Im Lager, wo man die Bereitschaft zum Mord mit einem Stückchen Leberwurst, einer Handvoll Zigaretten oder ähn- lichen Gegenwerten bezahlte, wurde Perrunje Blockältester in dem isolierten Bereich der Strafkompanie— einem In- stitut, das für die rasche Beseitigung unliebsamer Häftlinge geschaffen war und für das man einen Menschen als Vor-
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