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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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zu der Annahme hinreißen lassen, es sei eben alles doch nur halb so wild gewesen, Diesen Menschen möchte ich den I\ Preis in Erinnerung rufen, den wir Gefangenen für jeden||)} Streifen Helligkeit bezahlen mußten, Denn es war nicht das|| Verdienst der SS, daß wir nicht alle an dem Grauen er- ıl stickten, es war das Verdienst einiger beherzter Häftlinge, I die, ohne auf die mindeste Unterstützung rechnen zu können, h unter ständiger Lebensgefahr und lediglich erfüllt von dem I Bestreben, die allgemeine Not zu lindern, immer wieder ver- i N N suchten, dem Dunkel unseres Lebens auch eine helle Stunde Il abzuringen.|

Unser Leben unterstand einem geheimnisvollen, mit den Mitteln des Verstandes kaum zu ermessenden Gesetz. Sein Logos ruhte nicht in der klaren Diktion eines von Generatio- nen geschaffenen und geadelten Rechts, sondern in einem Konglomerat von Widersprüchen, die man so ohne weiteres nicht begreifen konnte und die eine Form der Lebensführung ur notwendig machten, die von ihrem Anlaß getrennt wie Il das ungereimte Tun eines Geisteskranken anmuten mußte.(| Wenn sonst alles Handeln des gebildeten und gesitteten|

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Menschen darauf gerichtet ist, den in uns allen schlummern- den Dämon zu besiegen, zu überwinden und die durch ihn|| erzeugten zerstörenden Neigungen in uns wieder in positive,

ja schöpferische Werte zu verwandeln, so hatten hier ganz| s die Nutzen und das von Haß, Überheblichkeit,"Arroganz und

* Machtmißbrauch gezeichnete Herrschaftsprinzip der Partei eine Rechtslage geschaffen, die zwar nach außen hin den Anschein milder Sitten erweckte, nach innen aber den Mord und das Verbrechen in jeder nur erdenklichen Form prote-| gierte. Wen das Schicksal in dieseRechtslage versetzte,| konnte auf eine normale Befreiung nicht rechnen. Für ihn|

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im Gegensatz zu dieser fördernden Absicht dergemeine| I}

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war das Leben zu einer Gefahr geworden, die nicht die Furcht oder die Gleichgültigkeit überwand, sondern die klare Erkenntnis, daß hier Feind gegen Feind stand, und daß jedes Mittel, das der eine zur Anwendung brachte, den | anderen zur Anwendung eines Gegenmittels berechtigte. Der Vorteil, in dem wir uns dabei befanden, war der, daß die

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