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denten a 2000. kannt, arische
ten die Angehörigen der Hochschulen, Lehrkörper und Stu- ‚denten, in die Gefangenschaft wandern.
Was ein derartiger Eingriff in das Leben eines mitten in sei- ner Entwicklung stehenden Menschen bedeutet, kann man sich unschwer vorstellen. Herausgerissen aus dem kunstvoll und organisch aufgebauten System wissenschaftlicher Be- mühungen und Disziplinen, mit einem Schlag, unter Anwen- dung der gröbsten Mittel, in eine völlig andere Beschäfti- gungssphäre versetzt und nun drei oder vier Jahre lang darin festgehalten, muß der an die Kontinuität methodischen Den- kens gewöhnte Geist plötzlich ins Leere, Bodenlose greifen, um schließlich die Beziehungen zu der ihn allein fördernden Materie ganz zu verlieren. Tausende von Menschen, die sich gestern noch mit wissenschaftlichen Problemen beschäftigten, Experimente und Operationen durchführten, sprach- oder rechtsvergleichende Forschung trieben oder sich in den schö- nen Künsten übten, mußten heute Zement ausladen, mit Picke und Schaufel hantieren, Sand karren oder Holzschuhe fabri- zieren— und alles das nicht zu Nutzen und Gunsten des eigenen Vaterlands, sondern unter dem Hü und Hott ent- menschter Uniformträger oder deren Helfershelfer für einen politischen Mordbrenner, der überall dort, wo er einen Vorteil für sich und die Satelliten seiner Partei witterte, eine Feind- schaft vom Zaun brach. Innerhalb des Lagers litten diese Studenten als Vertreter der vielgehaßten„Intelligenz“ unter einer ganz besonderen Antipathie ihrer Vorgesetzten, Das befriedigende Gefühl, einen Mann der Wissenschaft sich mit einem handfesten Werkzeug abmühen zu sehen, wurde von gewissen Leuten im Lager‘voll ausgekostet(ich vergesse die Szene nicht, die sich einmal im Klinkerwerk abspielte, wo ein„grüner“ Vorarbeiter, also ein Bevauer, einem jungen Menschen eine furchtbare Ohrfeige versetzte, weil dieser auf die Frage nach seinem Zivilberuf antwortete: Bibliotheks- assistent).
Quälereien aller Art waren auch hier an der Tagesordnung. Gleich im ersten Winter ihres Lageraufenthaltes starben einige Studenten an den Folgen einer Prozedur, der sie sich auf Befehl einiger Blockführer unterziehen mußten. Sie er-
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