XII
Zweierlei Blockälteste
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Unser neuer Blockältester war ein alter Gefangener, der sich etwas darauf einbildete, schon seit dem Jahre 1933 in Schutzhaft zu sein und deshalb auf Neulinge und Anfänger wie mich geringschätzig herabsah. Mein Verhältnis zu ihm war von Anfang an gespannt es mußte etwas in meiner Natur liegen, das mich einer gewissen Menschengruppe unleidlich machte, Ich denke, es handelte sich dabei vorwiegend um solche Menschen, die durch eine vorgefaßte, aber mühsam errungene Meinung etwas engstirnig und ängstlich geworden sind. Ihre eigene Unsicherheit fürchtend, vermeiden solche Menschen gerne jede Diskussion findet eine solche dennoch statt, sind sie demjenigen, der es etwa wagt, ihrer Überzeugung durch eine kritische Bemerkung entgegenzutreten, bitterböse. Unser neuer Blockältester gehörte zu diesen Menschen. Er hatte sich einige Kenntnisse errungen, die ihn jedoch zu einem fortgesetzten Mißbrauch der verwegensten Fremdwörter veranlaßten. Da ich mir nun einmal gestattete, ihn gelegentlich einer kleinen Debatte auf den eigentlichen Sinn eines von ihm mißbrauchten Fremdwortes aufmerksam zu machen, konnte er mich von diesem Augenblick an nicht mehr leiden und schimpfte mich nun auch einen„, Intellektuellen" und zwar einen„, bürgerlichen Intellektuellen". Um mich aber in seinen Augen völlig verdächtig und minderwertig erscheinen zu lassen, wollte es mein Unstern, daß jener Unterhaltungsroman, den ich in meinem Sollner Exil geschrieben und damals dem Berliner Vertriebsverlag Duncker überlassen hatte, jetzt ausgerechnet in der Zeitung ,, Der Angriff" einem nazistischen Revolverblatt erschien, Da diese Zeitung neben vielen anderen im Lager auflag, hatte sich das„ Ereignis" bald herumgesprochen und in einigen Holzköpfen die Vorstellung erweckt, ich stünde dem
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