sollte, die alleingültige Meinung des Blockältesten oder seines Stellvertreters anzuzweifeln.
Auf dem Block 23, dem ich nach Verlassen des Zugangsblocks angehörte, residierte als Stubenältester des B- Flügels ein Individuum namens Arno Musch, der für Häftlinge, die keine Zuchthausstrafe aufzuweisen hatten, kein oder nur wenig Verständnis aufbrachte. Er haßte überdies alle„ Intelligenzler", da es ihm selbst an der mindesten Intelligenz gebrach, und betrachtete es als einen Akt ausgleichender Gerechtigkeit, wenn er diesen Vertretern einer ihm unsympathischen Kaste seine Überlegenheit und Macht zeigen konnte. Er war ich bedaure, das sagen zu müssen um kein Haar besser als irgendein SS- Angehöriger, denn auch er hielt den Totschlag für das geeignetste Erziehungsmittel. Er verdächtigte Menschen; die ihm nicht paßten, des Diebstahls und schlug sie mit einem Gummiknüppel oder einem Stuhlbein tot. Er konnte sich das leisten, denn es war niemand da, der es ihm verboten hätte. Er hatte das Gesicht eines Teufels und frönte der Unzucht mit jungen Polen , die er sich mit Marmelade und Zigaretten, die er der Allgemeinheit stahl, dienstbar und hörig machte.
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Mich haẞte er ganz besonders, schon meiner Brille wegen, die mich vor seinen Augen auch nach außen hin als„ Intelligenzler" legitimierte und ihm gegenüber versagte mein ,, hypnotischer Blick". Er behandelte mich wie einen Hund, riẞ mich noch spät am Abend aus dem ersten Schlaf, unter dem Vorwand, ich hätte mir die Füße nicht gewaschen, er stellte mich eine halbe Stunde lang unter die eiskalte Brause und hämmerte mir seine Faust ins Gesicht. Er schickte mich auf das schwerste Arbeitskommando, das es damals im Lager gabin das Klinkerwerk Oranienburg wohl hoffend, daß man mich von dort eines Tages als Leiche in das Lager schleppen würde, wie so viele andere. Er war eine vollkommene Bestie und zitterte nur, wenn nachts plötzlich die Alarmsirenen aufheulten und ein Strom britischer Bomber mit donnernden Motoren das Lager überflog. Dann kroch er aus seinem Bett und starrte durch das Fenster in den von hundert Lichtbündeln durchfurchten Himmel. Bei jedem
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