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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
19
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Ren werdeverhattet und verhört

Das neue Verhör, dem man mich unterzog, berührte nicht mehr den Verdacht der Verfasserschaft einer antifaschisti- schen Flugschrift, sondern ausschließlich meine Tagebücher. Hier hatte man alles beisammen, was die Geheime Staats- polizei so lange gesucht hatte: den unwiderlegbaren Beweis für meinestaats- und volksfeindliche Gesinnung. In län- geren und kürzeren Aufsätzen, mit statistischen Nachweisen und Tabellen, Gegenüberstellungen und Abbildungen, Zeitungsausschnitten und Originalbriefen hatte ich mich hier so gründlich über den Nationalsozialismus geäußert, daß es anderer Motive zur Verhaftung nicht mehr bedurfte. Es handelte sich bei diesem Kompendium nicht etwa um eine Chronique scandaleuse; es lag mir nichts an der Feststellung jener haarsträubenden Auslassungen, mit denen sich der Nationalsozialismus dem Gelächter der ganzen Welt aus- lieferte. Was ich für meine Zwecke benötigte: den Nachweis der Schuld Hitlers an der planmäßigen Zerstörung und Erniedrigung all dessen, was wir bis dahin in einem reinen und unverdächtigen Sinn als deutsch ansprechen durften, ich suchte die Beweise für diese Schuld und registrierte sie. Der furchtbare Gedanke, daß es wieder dem Belieben eines Ein- zelnen anheimgegeben sei, die Völker in ein namenloses Unglück zu stürzen, trieb mich zu immer neuen Auseinander- setzungen mit dem PhänomenMacht, das hier im Zusam- menhang mit den ruchlosen Plänen eines Wahnsinnigen eine ganz besondere Wertung erfuhr, und wenn diese Ausein- andersetzungen im Augenblick auch keine nach außen wir- kende Bedeutung hatten, trugen sie doch wesentlich zu meiner eigenen Erkenntnis und Urteilsbildung bei. Ich wollte nicht blind und uninteressiert an den Entwicklungsmerkma- len und Erscheinungen einer Politik vorbeigehen, von der mir eine innere Stimme warnend sagte, daß sie uns mit einer

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