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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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Wir traten hin vor unsere Mütter und baten um ihren Segen. Dankten Elfis Mutter, daß sie uns einander wiederschenkte.

Elfchen verriet mir nun, wie ihr zumute war, als sie mich auf­geben mußte.

,, Und noch bitterer war es", sagte sie ,,, als ich mich verlobte und dann von dir die Glückwünsche erhielt. Aus war es mit mir, und wenn ich ihm mein Wort hätte halten müssen, wäre ich un­glücklich bis zu meinem Tod geworden. Ich fühlte deinen Schmerz und wußte, daß ich dich suchen und finden würde. Als dein Brief kam, wußte ich, daß ich das dem anderen gegebene Wort nie würde halten können. In mir brannte es. So kam ich zu dir...

Allüberall im Tummeln der Menschenmassen sah ich dich oder dein Bild. Im Wettlauf der Buchstaben meiner Schreibmaschine tauchte dein Gesicht plötzlich auf. Ich erschrak und ließ die Ma­schine schweigen. Ihr Schlummern störten meine Tränen. Meine Freundinnen nahmen mich zärtlich an der Hand und führten mich in den Hof. Sie wußten, daß mein Herz einsam war.

, Elfi, du brauchst Zerstreuung, geh in den Freistunden mit uns ins Kaffee oder ins Konzert', so redeten sie mir zu.

Ich war zu schwach geworden, um mich den Verlockungen des Großstadttrubels noch länger entgegenzustellen. Mein unglückliches Temperament riß mich von dem guten Willen, der mich anfangs beherrschte. Von Gesellschaft zu Gesellschaft, von Freunden zu Freundinnen, von einem Barzauber zum andern trieb mich die Sehnsucht, die durch dich in mir entfacht war. Wo immer ich deine Heimatsprache hörte, hörte ich dein liebes Wort. Mein Herz fühlte die Macht einer großen Liebe.

Trat ich in später Abendstunde vor dein Bild, verfluchte ich mich und die vorher verlebte Stunde. In Tränen schwand dein Gesicht, und in diesem Moment fühlte ich den Schmerz, der dich umgab. Während meines Gebetes für dich betrog ich dich. Du riefst mich um Hilfe, weil sich der Tod an deine Fersen hängte, du wolltest noch aus allen Fernen Worte mit mir tauschen und ich ließ sie ungehört an mir vorüberfliehen. Ich sah dich nach mir greifen und wendete mich ab und lauschte den Worten aus fremdem Mund. Ich wußte mir nicht mehr zu helfen vor Leid und Schmerz.

In dich aber grub ich damit ein Leid, das vielleicht bis zu deinem Ende sein wird. Wohl spricht dein Blick mir Verzeihung, in deinen Zügen aber klagt unauslöschlich aller dir bereitete Schmerz! Nun bin ich bei dir und bleibe...!"