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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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Bilder der Ungewißheit und des Grauens zogen an mir vorüber und meine Phantasie malte sich manches Schreckliche aus, das vielleicht kommen konnte. Um 8 Uhr erschien ein Blockführer, der befahl, mit ihm zu kommen. So lief ich neben ihm, der auf dem Fahrrad fuhr, durch den Vorgarten des Jourhauses, wo die ein- zelnen Kommandos untergebracht waren. Während des Laufes be- fahl er nur:Richtung links, Richtung rechts oderBaracke 5.

In der ersten Baracke bekam ich einen Wisch zugeschoben, den ich unterschreiben mußte, dann durfte ich 75 Reichspfennig einstecken. Erst erinnerte ich mich überhaupt nicht an diese 75 Pfennig, die ich bei der Einlieferung im Jahre 1938 bei mir gehabt, hatte. In der zweiten Baracke bekam ich Uhr und Taschenmesser. Dann mußte ich ins Lager in die Ankleidebaracke zurücklaufen, wo mein Anzug, Mantel und Hut, Handschuhe und Schuhe bereit- gestellt waren. Vorerst wurde ich auf meine Bitte in Begleitung des Blockführers zum Lagerarzt geführt, wo ich mich verabschieden und Fagott und Geige abholen durfte, dann, als ich bereits um- gekleidet war, ging es zum Lagerführer, der mir erklärte, daß ich der Volksgemeinschaft wieder zurückgeführt werde. Ich müsse mich mit einem Revers verpflichten, nirgends zu erwähnen, was ich im Lager erlebt und gesehen. Täte ich es dennoch,. käme ich sofort ins Lager zurück. Was dies bedeuten würde, müßte ich ge- nau wissen.

Dabei besaß er die Frechheit, mir plausibel machen zu wollen, daß man Verbrecher und politische Häftlinge in der Behandlung unterscheide und daß das deutsche Volk mich in seine Reihen aufnehmen werde. Antworten konnte ich nicht. In mir kochte das Blut! Am Schluß gab er mir die Hand und grüßte mich mitHeil Hitler!". Diesen Gruß hätte ich wiederholen sollen, ich tat es aber nicht. Er erklärte mir, er könne mich weiter im Lager festhalten, wenn ich seiner Aufforderung nicht Folge leiste. Ich verneinte kurz:Ich kann auf diese Zeit, die ich hier verleben mußte, nicht mit Scheinheiligkeit antworten eher bin ich bereit, ins Lager zurückzugehen. R

Darauf übergab er mich wieder dem Blockführer, der mich durch den Park bis zum äußersten Torposten begleitete. Dort wies ich meinen Entlassungsschein vor, das große eiserne Tor öffnete sich und ich stand vor den Mauern dieser ewigen Mordgrube!

Der Wind peitschte durch die Straßen. Patrouillen hielten mich an und verlangten von mir den Entlassungsschein. Am Ende der Mauer forderte noch einmal ein Vorposten mit gefälltem Gewehr Ausweispapiere. Ich zeigte sie ihm und er ließ mich mit den Worten Leb wohl, armer Hund! weitergehen.

Nun führte mein Weg durch eine bewaldete Gegend nach Oranienburg . Ihr herbstliches Kleid rauschte im Wind und die

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