,, Verfluchter Laden, ob man einmal seine Ruhe haben könnte in dieser Mordgrube!", schimpfte ich und schlug mit der Faust auf den Tisch. ,, Was soll ich denn an den Leichen herumschnitzeln? Man soll diesen endlich ihre Ruhe gönnen! Menschen sind ja schließlich kein Fetzen Papier , den man bis zum letzten Eckchen ausnützt."
,, Ja, alles recht schön", mischte Willi sich ein ,,, aber was ändern du oder ich daran? Vor allem sage ich dir eines- wenn du meinen Posten übernehmen solltest, dann heißt es erstens Nerven haben und zweitens schweigen wie ein Grab!"
Wir konnten uns leider nicht länger unterhalten, weil der Lagerarzt mich rufen ließ und mir Befehl gab, die Pathologie zu übernehmen und mich von meinem Vorgänger Willi einführen zu lassen. Bei dieser Unterredung machte mich der Arzt auf manches Unangenehme aufmerksam, das nicht Willi, sondern mehr den Leichenführer betraf. So sollten unter anderem die gerissenen Goldzähne der Leichen über einen SS- Angehörigen verschoben und viele Dinge den Toten entwendet und verkauft werden. Anfangs sträubte ich mich mit Händen und Füßen dagegen und wollte auf keinen Fall diese unangenehme Arbeit übernehmen, aber der Arzt befahl und versprach, mich mit all seiner Macht zu unterstützen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als Leichenschneider zu werden.
Willi, der inzwischen auf mich gewartet hatte, rieb sich vor Freude und schadenfroh die Hände und sang mich mitleidig an: ,, Peterle, mein armes Peterle, was hat dir der am Tisch getan, gibt eh schon Ruh'!"
an.
,, Vieh mit Haxn!", schrie ich ihn halb ernst, halb schmunzelnd
,, Hat doch keinen Zweck, Dummerl, lächerlicher Zwerg", meinte er. Dann nahm er mich bei der Hand und zerrte mich in den Fleischerladen Pathologie!
Immer schon hatte ich dieses geheimnisvolle Haus gemieden, immer war ich den Leichenfahrern ausgewichen, wenn sie ihre Kisten mit den Entseelten aus dem Keller transportiert hatten, und war diesen schwarzen Gesellen entflohen. Ein unheimliches Gruseln hatte ich, als mir einmal befohlen wurde, Särge aufzuladen. Nie mehr, so schwor ich damals, lasse ich mich für ein derartiges Geschäft erwischen. Und jetzt mußte ich!
Dir ist befohlen worden, deine Kameraden zu zerstückeln und zu Präparaten zu verarbeiten. Du wirst jetzt der Leichenschneider, vor dem das Lager flüchtet, wenn er des Weges kommt! Du bist verurteilt, verachtet, und wirst gemieden werden von deinen Mitmenschen! Geh hin und schneid! Sie waren deine Freunde, deine Brüder! Geh hin in ihre Welt und lerne sie verstehen! Geh hin, der du ihnen so nahe warst, und schneide!
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