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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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Frühling noch zu erleben. Und bis dahin würde der Himmel sich meiner erbarmt haben. Wir tauschten unser Leid aus und ich klagte und meinte, daß eine Post von meiner Braut mich wohl bestimmt wieder aufrichten würde. Er tröstete mich still und sagte: ,, Aber, was willst du denn mit einer Braut? Du kannst sie ja doch nicht mehr glücklich machen als kranker Mensch! Und wenn sie dir nicht schreibt, hat sie dich bestimmt schon vergessen. Nimm die Stunde, wie sie dir gegeben wird. Kopf hoch und kämp­fen, dem Herrn vertrauen und abwarten, das ist deine Pflicht. Wochenlang schon sehe ich dich leiden, mit gesenktem Kopf herum­laufen und tiefvergrämt herumirren. Ich fühle mich verpflichtet, dich zu ermahnen und dich einigermaßen aufzurichten. Und zwar sage ich dir, daß ich damit den Stärksten unter uns aufrichten will!" ,, Den Stärksten?", fragte ich. ,, Nennst du mich noch stark?" ,, Ja", grollte er ,,, du bist noch immer der Stärkste unter uns, wenn du willst, und wir rechneten mit dir. Und jetzt willst du wegen einer Frau zusammenklappen? Raff dich auf! Wenn sie dir nicht treu bleiben kann, dann verdient sie dich auch nicht, und unser Herr straft solche Menschen. Sei nun gesegnet im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geists. Amen!"

Inzwischen hatten wir seinen Block erreicht und er verabschie­dete sich mit den Worten: ,, In alter Frische!" Das war so der ge­bräuchlichste Gruß bei uns.

Dann stolperte ich durch Pfützen und dunkelste Nacht meinem Block zu. Da gab es zu kämpfen! Der Sturm war hart und stark und peitschte winselnd über mich hinweg. Oft mußte ich rasten. Mir war auch ganz komisch zumute. Mein Ohr hörte noch immer die Worte des Priesters: ,, Den Herrn erwarten und die letzte Stunde überstehen, ist nur noch deine Pflicht!" Jetzt? Schon so jung? Ein Mensch, der voller Erwartung ist? Nur weil die Füße ihn nicht mehr tragen? O nein, jetzt noch nicht, später, erst viel später!

Ich atme Harz und fühle Grün, seh' Weihrauch durch dein Stüb­chen zieh'n, den Lichterbaum in tausend Tränen spiegeln...

Ja, einst und jetzt! Hier stand ich im Verbrecherkleid, Häft­ling Nr. 39.123, zu Weihnachten 1941. Statt Bäumchen mit strahlen­den Kerzen Leichen mit bleichen Gesichtern!

,, Du, wach auf! Was schläfst du hier in Sturm und Wind auf schmutziger Straße? Komm, wach auf! Heiliger Abend ist!"

Am Arm packte ich einen Kameraden. Ich schüttelte den Kumpel einmal gehörig. Es half alles nichts, ich schlug ihm schon ein paarmal ins Gesicht, versuchte, ihn durch ein paar zarte Stöße mit den Füßen wachzukriegen. Alles umsonst! Er tat nicht mit. Er wollte nicht mehr!

,, Willst du vielleicht hier so mutterseelenallein verrecken...?" Nichts Neues! Aber ich wollte es nicht glauben! Noch einmal kniete ich mich mit dem rechten Bein auf seine Brust und schüttelte

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