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Der Leichenführer war von 5 Uhr morgens bis 10 Uhr abends unterwegs. Von Block zu Block, von Baracke zu Baracke fuhr er und holte sich die sterblichen Überreste unserer Kameraden. Der Mann war ein unheimlicher Vogel. Er war als Berufsverbrecher ins Lager gekommen und hatte seit Jahren keine andere Beschäftigung, als seine toten Brüder stumm und lautlos zu transportieren. Sein Gesicht glich dem einer räudigen Eule. Eine abnormale Hakennase teilte sein krätziges Gesicht. Sonst war er ein grober und gefühlloser, kräftiger Bursche, der, wenn es sein mußte, den Sterbenden noch mit einem gehörigen Schlag ins Genick schneller ins Jenseits beförderte.
Auch ging die Mär im Lager, daß er nirgends zum Fenster hineinschauen durfte, wenn er mit seinem Wägelchen einen Toten holte. Es war aber auch eigenartig mit diesem Totenvogel. Guckte er irgendwo beim Vorbeifahren hinein, so hatte er in diesem Block am nächsten Tag auch schon eine Leiche abzuholen. Ging oder stand man zwischen den Baracken und sah ihn herannahen, flüchtete man vor ihm. ,, Der Totenvogel!", hieß es, und alles war weg.
Ich dachte immer, mit diesem Kerl will ich nie zusammenkommen. Leider verrechnete ich mich gehörig. Später mußte ich sogar sein Vorgesetzter werden. Und nun hatte ich Gelegenheit, ihn besser kennenzulernen.
Immer dicker kam das Elend. Es schien, als hätte der Teufel die Hölle zu uns ins Lager verlegt. Fast jeder, dem man unterwegs begegnete, war ein wandelnder Leichnam. Angsterfüllt schritt man seinem Block hin und her. Die Blockführer mieden das Lager, für sie war es fast der sichere Tod, wenn sie mit uns in Berührung kamen. Es starb aber auch einer nach dem anderen.
Draußen vor der Mauer, Richtung Krematorium, stieg Qualm gegen den Himmel. Flammen züngelten. Tag und Nacht hörte man in gleichen Abständen das Abschießen von Menschen. Rabenschwärme kamen von weit her, um sich auf den Leichenhaufen den Fraẞ zu holen.
Vollkommen von der Welt abgeschnitten, standen wir in unserer Freizeit in Häufchen beisammen. Frierend rieten wir herum, was dagegen zu machen sei.
Das Treiben ging so weit, daß wir sicher behaupten konnten, daß das Ende uns nun erreicht habe.
Jeder betete im stillen nach seiner Art.
Wohin man kam, hörte man das Jammern um Frau und Kind, um die Liebste, um Jugendzeit und Vergangenes, gleich einem alten Paare, das nur mehr die schwere Truhe erwartet.
Trübe, regnerische, neblige Tage drückten noch mehr unsere elende Stimmung.
Endlich ging auch das langsam dem Ende zu. Statt des triefenden, langweiligen Regens wirbelten nun lustig weiße Flocken über
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