Solch ein junger Mensch, der ja im schönsten Wachstum war, hatte natürlich Hunger und viel, ja viel zu wenig zu essen und außerdem noch zu wenig Schlafgelegenheit. Vom seelischen Leiden will ich gar nicht sprechen.
Wie ein Pole nun von den deutschen„Kulturmenschen” behandelt wurde, spottet jeder Beschreibung. Er war der„Sau- polak‘, der Sklave, das Nichts! Er wurde verhöhnt und verstoßen. Von seinen Eltern hörte er überhaupt nichts mehr. Im besten Falle traf er seinen Vater zufällig ebenfalls im Arbeitskommando, wo sie sich herzlichst umarmten und sogar dabei durfte niemand sie er- wischen, sonst verdächtigte man sie sofort, homosexuell zu sein, was von der SS gleich aufgegriffen wurde. Kein Mensch konnte etwas dagegen unternehmen.
Man kann wohl sagen, daß sie zu den Ärmsten gehörten, weit hinter den wirklichen Berufsverbrechern. So gemartert sah ich noch kein Volk!
Dabei war unter ihnen ein gutes Menschenmaterial, gebildet und intelligent, vor allem aber Menschen mit tiefstem Empfinden. Was die Russen und Ukrainer betrifft, kann man, wie bei den
Die Ukrainer wurden später ins große Lager gebracht und zur Arbeit eingeteilt. Diese durchwegs jungen Menschen machten an-
fänglich einen fürchterlichen Eindruck.
Nie mehr kann ich das Bild vergessen, als zum ersten Male die Ukrainer losgelassen wurden! Wie ein Schwarm von Fischen zogen sie los und zu unserem Block.
Es war, als wäre man an einem Teich gestanden und hätte dort die Tierchen mit guten Leckerbissen gefüttert. Zehn und noch mehr standen auf einmal um einen von uns und guckten uns an, als hätten sie die erste Begegnung mit Menschen gehabt. Bald kamen wir darauf, daß sie nichts anderes wollten als Zigaretten. Arm— sagte man sich, aber wie ging es denn uns? Nach der Zigarette folgte die Bitte um Brot. Ja, wo denn das nur hernehmen? Wir gaben das letzte, was wir noch im Spind hatten, den halbver- hungerten Kameraden.„Iß!'
Ja!" sagte er, dankte und aß, indem er sich vor unseren Füßen auf dem Boden niederließ.
Dem Affen gleich, dem Menschen ähnlich. Wie kamen sie über- haupt hierher? Sie waren doch genau so wie unser Österreich „be- freit? Ganz einfach, man versprach ihnen gute„Arbeit und Ver- dienst im Reich, stellte sie zu Transporten zusammen und über- führte sie in Konzentrationslager!
Bitter! Haus und Hof mußten sie verlassen.
120


