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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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einem

mich Sach- nach mmen cht in

die Zelle, sondern zum Lagerführer gebracht, der mit mir allerdings anders sprach. Kaum hatte ich die Tür geöffnet, holte er aus der Ecke einen Ochsenziemer, mit dem er, ohne ein Wort zu sagen, mir blind ins Gesicht und auf den Kopf schlug. Ich konnte mich kaum wehren und verlor meine Standfestigkeit. Ich begann zu wanken und es wurde mir übel.

Jetzt bist du dort, wo ich dich haben wollte!, schrie er mich an,jetzt bekomme ich auch noch deine Knochen, das Fleisch habe ich schon! Er meinte damit, aushungern habe er mich schon lassen, nur das Verbrennen fehle noch. Mit diesen Worten entließ er mich. Der Blockführer, der mich begleitete, schlug mich unterwegs eben- falls und brachte mich Wankenden in die Zelle zurück. Dort sank ich zusammen!

Nicht lange konnte ich liegen. Der Kommandoführer schaute durch das Guckloch in die Zelle und sah, daß ich nicht, wie vorge- schrieben, auf und ab ging oder stand, sondern mich auf den Boden

_ gelegt hatte. Er öffnete die Tür, brüllte mich an und trat auf meinem

Körper herum. Als er merkte, daß ich nicht mehr aufstehen konnte, rief er den Capo vom Bunker. Sie brachten mich in den Hof an den Pfahl, wo sie mich, die Hände mit Ketten nach rückwärts gebunden, einen Meter über den Boden hochzogen.

Der Kommandoführer befahl dem Capo, mich zwei Stunden hängen zu lassen und dann in die Zelle zurückzubringen.

Ich hing schon eine Weile, da wurde mir sehr übel und ich hatte Brechreiz. Ich konnte das Wasser nicht mehr halten und auch Kot trat aus. Dann verlor ich das Bewußtsein. Erst im Hof, wo sie mich mit kaltem Wasser abspritzten, kam ich wieder zu mir. Ich kroch auf allen Vieren auf der Flucht vor dem eisigen Strahl nach allen Richtungen. Ich kam mir vor wie ein Tier...

Von Todesschmerzen gequält, krümmte ich mich wie ein Wurm. Wenn ich die Kraft besessen hätte, ich glaube, ich hätte mich selbst im Sand verscharrt. Immer wieder erwischte mich der Wasserstrahl und jedesmal hätte ich schreien können. Meine Zunge klebte am Gaumen und ich war dennoch nicht imstande, das Wasser vom Boden aufzusaugen. Noch eine Stunde quälte mich der Kommando- führer. Als er glaubte, daß ich ohnehin bald krepieren werde, ließ er mich wieder in den Bunker sperren. Dort schlummerte ich ein. Am nächsten Morgen erwachte ich auf dem Boden.

Nun ging es von vorne an. Nachdem ich schwarzen, unge- zuckerten Kaffee bekommen hatte, wurde ich von einem Blockführer geholt. Erst ging es wieder zum Gestapobeamten, der mir diesmal sogar Zigaretten gab und auf meine Bitte, man möge doch wenigstens das Mädchen in Ruhe lassen, versprach, alles zu tun, was getan werden könne. Er merkte meine Erschöpfung und fragte, was mit mir geschehen sei, da ich unkenntlich fremd aussehe. Auf meine Antwort schüttelte er den Kopf. Ich merkte, daß ihm meine Be- handlung durch den Lagerführer mißfiel, und wenn er auch nicht

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