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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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,, Jawohl, Herr Kommandoführer!"

Die Reihen der Kolonnen wankten an dem Sterbenden im Graben vorbei.

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Sie sangen. Ehe der Karren den Verbrecher" aufnehmen konnte, röchelte der Held den letzten Atemzug.

Uns fror. Wir hatten kärgliche Lumpen auf dem Leib. Ent­blößten Hauptes, über dem die Flocken tanzten, ging es dem Tor zu. ,, Schwarzbraun ist die Haselnuẞ", sangen heisere Kehlen. Aus zweitausend müden, würgenden Hälsen erklangen Heimatlieder. Vor unseren Augen, weit, ach wie weit und in Wolken gehüllt, grüßten unsere Berge. Österreich , Vaterland! Vielleicht mein letzter Gruß ins Stübchen meiner Mutter...

Trostlos, unerträglich lag vor uns die trübe Ferne. Keine Hoff­nung, kein Ende. Wann kann ich dich, heiliger Heimatboden, wieder betreten? Und wie? Werde ich gehen oder rollt ein Wagen mit meiner Asche durch deine Heiligkeit?

Es peitscht der fremde Sturm die blassen Wangen. Das Auge starrt benäßt zu dir, mein Heimatland! Hörst du den Ruf der Brüder klagen?

Hörst du den Todgeweihten Abschied sagen? Verlassen röchelt er

Ade an Weib und Kind.

Wohlan, mein Leichnam wird die Siege schauen-

Hab Mut, du Bruder, kämpf und stirb!

Kiebitze durchpfeilten die Lüfte und schrillten über Feld und Flur. Blümlein reckten ihre Hälschen himmelwärts, Bäume rauschten wieder, Mücken tanzten um unsere schweißigen Gesichter und labten sich an unseren Wunden. Da und dort wankte ein Ge­schlagener, drüben auf der Plantage sank ein Geprügelter zur Erde.

Schon Tage vor dem Tod eines Menschen konnte man be­obachten, wie er suchend umherirrte, keine Ruhe fand, bis er eine Wassergrube gefunden hatte. Unbemerkt schlich er dann von der Arbeit und suchte die Grube, in der man ihn bald darauf tot fand. Viele Tausende waren es, von denen ich mich vor ihrem Ende verabschiedete, weil ich in ihren Zügen las, was sie selbst noch nicht wußten.

Jeder Frühling verlangte mehr Opfer als alle anderen Jahres­zeiten und so konnte man gerade im jungen Jahr dieses Suchen nach Sterbestätten häufig beobachten.

Da der Siegesrausch sich über ganz Europa verbreitete und der Nationalsozialismus seine Zukunft in rosigstem Licht sah, hatte man die Bestialitäten gegen uns hinter dem Stacheldraht verschärft. Man rechnete immer mehr mit Kriegsgefangenen und erklärte, daß diese uns leicht ersetzen würden. Man marterte uns wie nie vorher, ließ uns mehr als je hungern.

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Die Speisen, die man uns nun verabreichte, wiesen bei ,, bester

Plan des Konzentrationslagers Oranienburg - Sachsenhausen