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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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was sich dazu gesellte, plagten. Ein unheimliches Leben! Auch wurde ich über furchtbare Dinge aufgeklärt, die die SS sich leistete. Als verwöhnt konnte ich mich zwar nicht bezeichnen, aber trotzdem ging das über meine bisherigen Erlebnisse.

Es war eine Welt der Gangster, ein Haschen und Raufen um Leben und Erhaltung jede Stunde, jeden Tag, wie ich hörte.

Am nächsten Morgen wurden wir dem Lagerführer vorgestellt. Rechts vom Tor traten wir an. Jetzt wird wohl auch entschieden werden, dachte ich, ob ich in die Strafkompanie komme oder nicht. Sie bedeute, hatte man mir gesagt, Kampf auf Leben und Tod. Unter Umständen könne man dort ein Jahr und noch länger fest­gehalten werden.

Mir stieg die Angst in Säulen auf. Anderseits dachte ich: ,, Tausende haben das Pech gehabt, hineinzukommen, und sind wieder herausgekommen-warum soll gerade dir dieses Unglück in deiner großen Sammlung fehlen?"

Während meines Sinnens war der Lagerführer mit seinem Stab gekommen. Ein ausgefressener, präpotenter Lümmel stand vor uns, groß, stark, mit ordinärem, blutdürstigem Gesicht: SS- Hauptsturm­führer Grünewald.

Kaum war er an den Ersten herangetreten, fiel der ihm Gegen­überstehende um. Ein Faustschlag und mehrere Tritte hatten ihn in den Sand geworfen. Während der Arme auf dem Boden lag, trat die Bestie auf dem armen, gemarterten Körper herum. Das Opfer blieb liegen und wälzte sich heulend und zähneknirschend im Sand. Das Blut strömte aus Mund und Nase... Der Lagerführer nahm die Aktentasche, verlas mehrere Namen, schlug noch einmal blind in die Menge und kam dann nach Aufruf meines Namens zu mir.

,, So- du bist das Schwein? Dir werden wir den dämlichen österreichischen Dickkopf schon austreiben!"

Schon hatte ich einige Faustschläge sitzen. Der Schädel summte mir mächtig. Dann sagte er noch etwas, aber das konnte ich leider nicht mehr hören, da es in meinen Ohren sang, als wären spielende Orgelpfeifen eingebaut gewesen. Ich konnte nur nach der Geste ent­nehmen, daß er mich ,, ganz in sein Herz geschlossen" hatte. Noch ein paar Faustschläge für Kameraden hinter mir, dann schrie er: Weg der Haufen!"

Wir rannten zurück, dorthin, woher wir gekommen waren.

Im Block sagte mir der Blockälteste, daß ich am nächsten Tag zur Strafkompanie versetzt werde. Erst müsse ich aber ins Revier. ,, Armer Teufel", meinten meine Kameraden. ,, Wie wirst du das aus­halten? Bist doch der Schwächste unter uns."

Ich meinte, ob sie sich nicht täuschten in mir?

Anfangs lachten sie mich wohl aus, aber später kam mancher zu mir, um zuzugeben, daß er am Ende seiner Kräfte sei. Man wun­derte sich, daß man mir das Lager überhaupt nicht anmerkte. Ich

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