Kriegsende belief sich die Zahl der Häftlinge im Konzentrationslager Ravensbrück auf etwa 150000. Der größte Teil dieser Häftlinge arbeitete auf Außenkommandos ( Rüstungsfabriken, landwirtschaftliche Betriebe usw.), die oft erst durch Tagestransporte vom Lager aus zu erreichen
waren.
Frau P. schildert nun ihre eigene Ankunft im Konzentrationslager Ravensbrück :
Als wir im Lager ankamen, wurden zunächst unsere Personalien aufgenommen. Die Frage lautete immer wieder: ,, Warum bist Du da?" Als ein Mädchen antwortete, sie hätte sich der Dienstverpflichtung entzogen, schrie man ihr brutal ins Gesicht: ,, Ich will Dir was sagen, Du bist auf den Strich gegangen!"
Dann führte man uns in den Warteraum. Wir mußten uns gänzlich auskleiden und nackt in Reih' und Glied antreten. Der Lagerarzt, SS- Hauptsturmführer Dr. Sonntag, musterte uns mit lüsternen Blicken, indem er unaufhörlich den Rohrstock schwang und einige von uns auf das unbekleidete Gesäß schlug. Das war äußerst schmerzhaft, kümmerte aber diesen ,, Arzt" nicht im geringsten.
Ich selbst war in einem Strafblock untergebracht, da ich wegen illegaler politischer Betätigung besonders hart behandelt werden sollte. Meine Lagerhaft wurde verschärft und ich mußte schwerste Arbeiten bei kümmerlichster Ernährung verrichten.
Bekannt ist mir aus dieser Zeit die Behandlung von 75 weiblichen Häftlingen, die sich in der Gemeinschaft der Bibelforscher gegen den Hitlerismus aufgelehnt hatten. Da sie sich bei ihren Aussagen sehr standhaft verhielten, mußten sie bei strenger Kälte ohne Strümpfe und ohne Jacke stundenlang strammstehen. Als auch dies nichts half, bekamen sie je 25 Schläge, um dann in dem isolierten Block bei Brot und Wasser sechs Wochen untergebr. it zu werden.
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