Druckschrift 
Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück / Helmut Franz
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen

arbeit in einem Werk für Flugzeugmotorenbau verrichten. mußte. Gemshagen war ein Außenkommando des berüch­tigten Konzentrationslagers Sachsenhausen .

Das Lager Ravensbrück selbst bestand aus sechzig Holz­baracken und etwa zwanzig Häusern, die zum größten Teil außerhalb der Einfriedung im Wald an einem See gelegen waren. Außerdem befanden sich in diesem Gelände noch dreißig prächtige Villen, die ausschließlich zur Unterkunft der SS dienten. Durch die Baracken, die übrigens die Frauen selbst errichtet hatten, führte eine breite Straße. Es war die sogenannte ,, Lagerstraße", auf der die bekannten Appelle durchgeführt wurden. Am Wald befand sich außerdem ein in geschmackvollem Stil errichtetes langgestrecktes Holz­haus, das der SS als Kasino diente.

Außerhalb des Lagers war eine Zweig fabrik der Berliner Siemens- Werke errichtet worden, in der von den Frauen in langen Tag- und Nachtschichten Munition aller Kaliber für die deutsche Kriegsmaschine ge­fertigt wurde. In einer Baracke wurden zunächst insgesamt 150 weibliche Häftlinge untergebracht, späterhin, als das Lager in der Hauptsache durch polnische Frauen- einen Zugang von täglich 3000 bis 4000 Häftlingen erhielt, mußte jede Baracke annähernd 1000 dieser unglücklichen Frauen und Mädchen aufnehmen.

Trat man in das Lager ein, so kam man zunächst an dem Gebäude der Kommandantur vorbei, in dessen Nähe sich einige Autogaragen befanden. Dann gewahrte man den berüchtigten Bunker, der ursprünglich für Luftschutzzwecke in Aussicht genommen, als Strafgefängnis für die Häftlinge diente. Das Lager selbst war von etwa fünf Meter hohen Mauern umgeben. Vor diesen Mauern befand sich ein 11/2 Meter hoher, elektrisch geladener Zaun aus Maschendraht, um die Flucht eines Häftlings aus dem Lager unmöglich zu machen. Außerhalb des Lagers wurde das Krema­torium errichtet. Es hattesechs Öfen und war dauernd in Betrieb. In den letzten Jahren vor dem

10