Im Kellergeschoß eines im Lager befindlichen Gebäudes verprügelte man regelmäßig die Häftlinge, und zwar wurde auch hier für diese Quälereien der berüchtigte ,, Bock" verwendet, über den sich die an den Füßen gefesselten Frauen legen, mußten. Die Schläge wurden im Beisein des Kommandanten, SS- Hauptsturmführer Suren und der Oberaufseherin Bingen ausgeteilt. Bei der Ausübung dieser Folterungen zog man zur Unterstützung zwei weibliche Häftlinge hinzu. Das schloß aber nicht aus, daß die Bingen selbst nachhalf", wenn ihr das Prügeln nicht. grausam genug erschien. Sie gebärdete sich dabei wie eine Wilde, trat mit ihren Stiefeln und schwang dazu unablässig die Peitsche. Dabei war diese Oberaufseherin, die den männlichen SS - Banditen in keiner Weise nachstand, erst 24 Jahre alt.
Oft kam es vor, daß sie strahlend durch die Baracken ging, dabei einen Knüppel schwang und rief: ,, So, hier ist wieder ein neuer Knüppel! Ihr könnt Euch also freuen!"
Während des Prügelns mußte der Häftling selber zählen. War er hierzu nicht mehr imstande, so half die Bingen mit Fußtritten und Peitschenschlägen nach. Dadurch wurde diese Prozedur oft sehr lange ausgedehnt. Die Häftlinge kamen jedoch keinesfalls in das Revier, sondern immer wieder in ihre Baracken zurück. Dort durften sie nicht lange zubringen, sondern wurden, wenn das Prügeln bereits am Vormittag stattgefunden hatte, nachmittags wieder zur Arbeit getrieben.
Ich selbst habe diese Peinigung an mir erlebt. Davon wird später zu sprechen sein.
Als man einmal einem Häftling die Schlagader aufschlug, hatte dieser einen sehr starken Blutverlust. Der sofort herbeigerufene Lagerarzt Dr. Sonntag wurde über und über mit Blut bespritzt, während der Lagerhund, eine große Dogge, das verlorene Blut vom Fußboden aufleckte. Diese Prügelszenen fanden unter Ausschluß der Lageröffentlichkeit statt.
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