daß wir vor denen dort oben keine Angst zu haben brauchten. Sie kämpfen für unsere Freiheit. Nun haben wir Hoffnung, denn sie geben uns Mut. Wenn auch keine Nachrichten von der Außenwelt zu uns dringen, so merken wir doch an dem aufgeregten Verhalten der SSWachen, daß das Ende nicht mehr weit sein kann. Noch wußten und ahnten wir nicht den Plan, uns auf teuflische Art zu vernichten. Irgend jemand erzählte, das Lager würde in die Luft gesprengt, ein anderer, wir sollten vorher vergast werden. Alle möglichen Parolen gingen um. Wir waren auf alles gefaßt, denn jeder von uns wußte, daß die SS vor nichts zurückschreckt. Doch nichts geschah. In der bangen Erwartung, jeden Tag etwas Schreckliches zu erleben, brach das Jahr 1945 an, das neunte Weihnachtsfest für mich. Ich versuchte zurückzuschauen, doch die Geschehnisse der Gegenwart ließen mir keine Zeit. Aufpassen, hören, denn
jeder Tag kann die Vernichtung bringen.
Februar
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März der Tod rast durch das Lager. Typhus , Hunger, Ruhr- das Krematorium raucht, Kranke, Arbeitsunfähige verlassen das Lager, Autos mit Leichen, mit noch nicht ganz toten Häftlingen. SS- Männer schleppen Koffer. Aufregung überall. Appell. Der Wind heult um die Baracken, Regen peitscht an die Wände Tag und Nacht. Bis zu den Knien stapfen wir im Schlamm. Berge von Leichen häufen sich auf der Lagerstraße, in den Aborten und Waschräumen. Die Bergungstrupps können die Arbeit nicht mehr schaffen. Man macht es sich bequemer. In der Nähe des Lagers werden riesige Gruben ausgehoben, sie füllen sich mehr und mehr mit toten Kameraden. 1. Mai- seit einigen Tagen bleiben die Toten liegen. Ein gräßlicher Gestank liegt über dem Lager. Plötzlich große Aufregung. Jemand hat die Worte eines Bewachers gehört: Kein Häftling darf lebend in die Hände des Feindes fallen! Neun Jahre habe ich gelitten, gekämpft, täglich mein Leben aufs Spiel gesetzt. Jetzt, wo der Tag der Freiheit nicht mehr fern sein kann, soll ich sterben? Nein. Ich überlege und bereite alles zur Flucht
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