Eineinhalb Stunden Pfahl lautete das Urteil. Meine Arme zitterten schon bei dem Gedanken daran. Mit zitternden Knien stieg ich auf den Tisch, dann schwebte ich in der Luft, wieder spürte ich die Schmerzen meiner letzten Folter.
Ein markerschütternder Schrei—
es war meine Kameradin, die mir gegenüber aufgehängt wurde, sodaß wir uns ansehen mußten. Hätte ich vorher geahnt, welche Schmerzen sie auszuhalten hatte— ich hätte von Herzen gern auf das Brot verzichtet. Etwa eine Viertelstunde flehte, schrie, jammerte sie, doch der Blockfühfer, der uns bewachte, hielt ihr die brennende Zigarette unter die Nase. Vor Schmerzen halb wahn- sinnig stieß sie ihm mit den Füßen mit Aufbietung der letzten Kraft in den Leib. Ich hörte, wie er vor Wut mit den Zähnen knirschte, dann nahm er die Peitsche und schlug sie meiner Kameradin erbarmungslos über den entblößten Oberkörper. Ich mußte meine Augen schlie- ßen, denn ich konnte den Anblick nicht ertragen. Furcht- bar war der Anblick, entsetzlich waren die Schreie. Der Oberkörper wies von den Schlägen blutige Streifen auf, das Gesicht war geschwollen und entstellt. Ich vergaß meine eigenen Schmerzen. Einige Minuten später saß der Blockführer beim Rauchen seiner Zigarette, als sei nichts vorgefallen. So abgebrüht"waren unsere Henkers- knechte. Ein leises Stöhnen ertönt von seinem Opfer, vor Schmerzen ist sie bewußtlös geworden. Alles nimmt ein Ende, auch diese eineinhalb Stunden\ gehen herum.
Wie Säcke jallen wir um,
als der Blockführer die Fesseln löst. Von zwei Kamerad- innen wird das bedauernswerte Geschöpf fortgetragen, bewußtlos. Dann verließ auch ich die grauenvolle Stätte, die soviel unschuldige Opfer gesehen hatte. Nach einigen Monaten sah ich meine Kameradin wieder. Ich kannte sie kaum wieder. Ihr Gesicht war von Narben entstellt. Stumm grüßten wir uns, beide gingen wir unserem un- wissen Schicksal weiter entgegen. Wohin würde der Weg
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