mit denen ich morgens zur Arbeit marschiere— selbst- verständlich mit zackigem Gesang!— kehren lebend nicht wieder zurück. Auf einem Schlitten werden sie zurück- gefahren— tot. Völlig entkräftet steigen die übrigen nach getaner Arbeit die 96 Stufen der Himmaelsleiter,
die eigentlich Höllenleiter heißen müßte, hinauf. Ich
kann mich an einen Tag erinnern. Mit 1500 Häftlingen rücken wir morgens aus, 280 erfrieren, 200 weitere sind nicht in der Lage zu laufen. Wer einmal Gelegenheit gehabt hätte, sich die Originalaufnahmen nach unserer Befreiung. zu betrachten, wird verstehen, ‚warum es so sein mußte. Junge Männer sehen aus wie alte Männer, wie Skelette laufen wir herum. Bei dem kargen Essen und der Behandlung, dazu der r2- bis 14-stündigen har- ten Arbeitszeit ist es kein Wunder. Aber was bedeutet das? Es sind noch genug Menschen da und immer noch kommen neue, die aus allen Ländern hier zusammen- getrieben werden. Es ist schrecklich, an den kommenden Tag zu denken. Mein Stück Brot in beiden Händen haltend falle ich todmüde auf mein Lager-— ich bin in
einer anderen Welt, bis der Gong am nächsten Morgen
in die'rauhe, schreckliche Wirklichkeit ruft. Ein neuer Tag, der neues Leid bringt. Steine, nichts als Steine von morgens bis abends. Immer neue Gesichter. Aber nicht lange und auch sie sind nicht mehr. Dann liegen auch sie am Boden, erfroren, erschlagen. Hunderte, tausende fallen der SS und dem Steinbruch zum Opfer.
Schon dreimal wurde das Lager aufgefüllt. Aber immer wieder wurde es leer. Es ist unersättlich.
Nun sind wir mit 20000 Menschen hier, jämmerliche Gestalten sind es, die auf dem Appellplatz stehen.
Einen Tag lang, denn es ist jemand geflohen, und wir
müssen warten, bis man ihn tot oder lebendig ins Lager zurückbringt. Zweiter Tag— wir stehen noch immer. Wir stehen auch noch am dritten Tag auf dem Appell- platz, denn der Flüchtling ist immer noch nicht zurück- gekehrt. Bei Wind und Wetter stehen wir, Tag und Nacht. Dazwischen schlägt man erbarmungslos mit
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