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Neun Jahre lebendig begraben : ein Tatsachenbericht aus der Hölle der Nazi-KZ / Wilhelm Zarniko
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kam mir zum Bewußtsein. Ich weinte bitterlich. Wie konnte es nur Menschen geben, die einem Angehörigen desselben Volkes die Hölle auf Erden bereiteten! Ich bat meinen Schöpfer, mich den Tag der Vergeltung noch er- leben zu lassen. Jeder einzelne sollte von mir erfahren, was ich in den neun Jahren Nazi-KZ. hatte erliben müssen. Aber wann werde ich einmal die Freiheit wieder- sehen? Auch dieses Jahr vergeht, der Tod hält weiter grausige Ernte, Täglich sehe ich viele junge Menschen, die erschossen, erhängt oder vergast werden.

Warum eigentlich dieses Morden?

Ich fragte einen jungen Polen , warum er erschossen wer-

den sollte. Er antwortete: Ich weiß es nicht. Am näch-

sten Morgen fiel auch er. Die SS hatte viel Arbeit. Täg- lich standen 60 bis 70 Menschen, an der berüchtigten Sandmauer, um das KommandoGebt Feuer! zu er- warten. Die Kamine des Krematoriums rauchten, Autos mit Leichen verließen das Lager.,Der süßliche Leichen- geruch brennt in den Augen, legt sich auf die Lungen, aber wir haben uns daran gewöhnt. Überall Tote. In dem elektrisch geladenen Zaun hängen täglich Leichen, Ka- meraden, die den Tod diesem Leben voller Leiden vor- ziehen. Da liegen Vater und Sohn, noch im Tode um- schlungen. Es sieht aus, als wolle der Vater sein Kind noch im Tode vor den Mörderhänden schützen. Lange stehe ich und schaue auf die beiden, die alles hinter sich haben. Nein, so will ich mit meinen jungen Jahren noch nicht sterben. Ich darf nicht daran denken und träumen. Todmüde, zerschlagen, lege ich mich auf meinen voll Ungeziefer wimmelnden Verschlag und warte auf den

kommenden Tag. Aber auch die nächste Zeit bringt Tod

und Vernichtung. Schon wieder kommt Weihnachten her- an. Als besondere Überraschung für den Weihnachtstag hat der Lagerkommandant zwei junge Menschen auf- hängen lassen wegenFluchtversuche, hieß es. Unter dem Weihnachtsbaum man stelle sich diese Ausgeburt einer teuflischen Phantasie vor wurde ein Galgen auf- gerichtet, an dem die-beiden nunmehr hängen. Dann

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