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Die ganzen Grausamkeiten wurden an den Häftlingen begangen bzw. uns vorgeführt, damit wir niemals in unserem Leben wieder, wenn wir entlassen wurden, gegen das bestehende Regime Hitlers kämpfen würden. So wie wir hier eingeschüchtert wurden, genau so hat man es verstanden, das ganze deutsche Volk zu einem willenlosen Werkzeug der Regierung zu machen, so daß es alles widerstandslos auf sich nahm.
Eine Entlassung aus dem Lager war sehr schwierig und auch nicht im Interesse der Lagerleitung, da dieselbe für jeden Häftling ein Tagesgeld von RM 2, einkassierte, welches bei der Masse der Häftlinge ein fabelhaftes Geschäft war. Das weitere brachte eine Lagerkantine ein, die einen sehr großen Umsatz hatte; denn jede Mutter, Frau oder erwachsene Kinder unterstützten doch ihre Söhne, Männer und Väter so gut sie konnten, um ihnen etwas Erleichterung zu verschaffen. So lebten die Leiter des Lagers auf unsere Kosten einen herrlichen Tag, besaßen/ wunderbare Reitpferde, die von den Häftlingen betreut wurden und die schönsten Wagen.
Was mir ganz besonders im Lager auffiel, war die Haltung der Bibelforscher. Diese ertrugen ihr Leid mit großer Verbissenheit und fanatischem Vertrauen zu ihrer Sache.
In dem Lager befanden sich u. a. Rechtsanwälte, Ärzte und Kaufleute, auch ein Handwerksmeister der Fleischerinnung mit seinen Gesellen aus Schwarzenberg b. Chemnitz . Erziehungslager war das niemals, wohl Abschreckungslager, und daß wir für die Idee des Nationalsozialismus gewonnen werden konnten, war vollkommen.
Abgeschlossen von der Welt, hoffte man Tag für Tag auf seine Entlassung. Ich vergesse nie den 1. Weihnachtsfeiertag 1936. Als ich aus der ersten Tür trat, um zum Appell nach unten zu gehen, stürzte sich im gleichen Moment vor meinen Augen der frühere sozialdemokratische Bürgermeister von Löbau in Sa. aus dem Fenster des vierten Stockwerkes. Schüsse krachten, der Posten schoß auf den sich aus dem Fenster Stürzenden. Im gleichen Moment gingen die Alarmsirenen. So begann der erste Feiertag mit dieser Überraschung. Am Nachmittag, der für einen Spaziergang und Unterhaltung vorgesehen war, wurden alle Kompanien durch einen rothaarigen SS- Posten auf dem Sportplatz geschliffen, so daß jeder froh war, als er an seinem Tischplatz in der Unterkunft saß.
Nach dem Fest wurde uns eines Morgens bekannt, daß sich ein SS- Posten an der Zschopau am Wehr erschossen hätte. Dieser SSMann hatte mit noch einem Kameraden den Befehl erhalten, zwei Häftlinge, die zu einer Spezialbehandlung in das Chemnitzer Krankenhaus eingeliefert werden mußten, zu bewachen. Beide SS - Männer hatten es aber vorgezogen, am Abend einen Bummel durch die Stadt
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