1. Kapitel: Meine Verhaftung
Mit meiner Frau hatte ich mich an einem Sonntagabend zu einem Radfahrvergnügen in einen Nachbarort meiner Heimat begeben. Wir kehrten gegen 3 Uhr morgens zurück. Kaum hatten wir uns zur Ruhe begeben, wurde durch Klingelzeichen im Haus alles in ‚Aufregung gesetzt. Drei Polizeibeamte verlangten den Einlaß in meine Wohnung. Ich kannte die Beamten und ließ sie eintreten. Dieselben erklärten’ mir, daß sie bei mir eine Haussuchung durchführen müßten.. Ich mußte notgedrungen diesem Verlangen stattgeben, außerdem war es mir nichts Neues mehr. Ich bat nur um Aufklärung über die Motive zu dieser neuen Hayussuchung. Der Beamte konnte mir hierüber keine Auskunft geben, sondern erklärte mir, nur seinen Pflichten nach- gehen zu müssen. Die Haussuchung verlief ergebnislos, trotzdem wurde ich aufgefordert mit zum Polizeirevier zu gehen. Ich zog meine Sonntagskleider wieder an und begab mich in Begleitung der drei Beamten zum Polizeirevier. Dort angekommen, fand ich schon zwei mir bekannte Kameraden vor. Der diensthabende Revierbeamte erklärte mir auf meine Fragen, daß wir bis 7 Uhr auf das Eintreffen des Polizeidezernenten warten müßten. Um 7 Uhr wurden wir dem Dezernenten vorgeführt und erhielten jeder einen Schutzhaftbefehl in die Hand gedrückt der folgenden Inhalt hatte:
Schutzhaftbefehl:
Wegen dringenden Verdachts staatsfeindlicher Betätigung
sofort dem Schutzhaftlager Sachsenburg zuzuführen.“
Meine Frau trat dann, weil sie über mein langes Wegbleiben in Sorge war, mit dem jüngsten Kind in das Polizeirevier, wo ich ihr die Mitteilung machen mußte, daß ich verhaftet sei. Ich durfte mich ver- abschieden, und wir wurden unter Polizeischutz von fünf Beamten zu dritt mit dem Polizeiwagen in Richtung Sachsenburg bei Chemnitz gefahren. Unterwegs hielt der Wagen und uns wurde erklärt, daß wir an der rechten Seite des Wagens austreten könnten. Da uns diese Dinge bekannt waren, erklärten wir, bis Sachsenburg im Wagen bleiben zu wollen. In Sachsenburg angekommen, standen bereits Dutzende von Polizeiwagen vor dem Lager. Wir wurden bis vor das Tor geführt.
2. Kapitel: Einlieferung in das Lager
Nachdem ich in das Lager hineintrat, rief mir ein Posten der SS zu:„Aha, der feine Herr aus Meißen .“ Mit den Händen im Genick, liefen wir auf eine Gruppe von Männern zu, die in Reih und Glied mit
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