Einleitung
Von frühester Jugend wurde ich politisch für die links gerichtete Auswirkung erzogen. Ich wurde vom Vater angehalten, in den sportlichen politischen Organisationen aktiv teilzunehmen. Der Weltkrieg nahm den Vater. Die Mutter ging der Arbeit im Arsenal nach, so daß ich den ganzen Tag bis zur Rückkehr der Mutter auf mich selbst angewiesen war. So lernte ich die unglaublichen Leiden kennen, die ein Krieg für ein Volk bedeuten. Nur wenige Stunden waren mir vergönnt, mit der Mutter zusammen zu sein. Das Elend wurde von Tag zu Tag immer schlimmer. Wir mußten tagelang auf Brot verzichten und lernten die Zeit der Rüben kennen. Nach Erlernung meines Berufes kam ich in die Sozialdemokratische Arbeiterjugend und betätigte mich dann aktiv am politischen Leben. 1923 erlebte ich die über das deutsche Volk hereinbrechende Geldkatastrophe. Ich trat selbständig in das Leben. Die Arbeitslosigkeit drückte auf das Volk, so daß ich mich immer aktiver an den politischen Geschehnissen beteiligte. Die Folge war, daß ich 1928 von der SPD zur KPD übertrat. Auch hier war ich aktiver Mitarbeiter und betätigte mich mit dem Vertrieb verschiedener politischer Zeitschriften. Bei einer Auseinandersetzung 1931 beim Verkauf von Zeitschriften bekam ich wegen Landesfriedensbruch 5 Monate Gefängnis.
Es wurde ein Deutschlandwettbewerb ausgeschrieben. Den besten Bewerbern wurde eine Freireise zum 1. Mai 1932 nach der UDSSR zugesichert. Ich hatte von den 20 Preisträgern auf dem Gebiet, daß mir zugeteilt war, am besten abgeschnitten so daß ich im Mai 1932 die UDSSR besuchte. Von dort zurückgekehrt, habe ich mich weiterhin bis 1933 mit allen mir zur Verfügung stehenden Kräften für die Sache geopfert.
Im Zuge der allgemeinen Verhaftungswelle wurde ich am 2. März 1933 in Breslau interniert. Nach dem Verlassen des Gefängnisses in Breslau kehrte ich an meinem Heimatort Meißen zurück.
Ich hatte mich nach der Machtergreifung Hitlers . entschlossen, zum Wohle meiner Familie, von allen politischen Tätigkeiten zurückzuziehen.
Niemals habe ich wieder Vertrauen fassen können für eine gute Weiterentwicklung, da auch einer dem anderen nicht mehr traute und Denunziationen an der Tagesordnung waren. Erzählungen über Zustände in den Konzentrationslagern gingen herum. Man hörte dieses oder jenes von den aus den Konzentrationslagern Entlassenen. Ich schenkte diesen Dingen teils keinen Glauben. Ich ging meiner Beschäftigung nach und versuchte durch Arbeit das Wohl meiner Familie zufrieden zu stellen.
3


