! | | |
statt mit dem Taschentuch, geputzt haben sollte, wie der Posten behauptete. Der zweite Häftling war der Kamerad Puchin. Zwei Häftlinge holten aus einem Schuppen einen Bock. Dieser wurde in die Mitte der offenen Reihe gestellt. Auf vier Füßen war eine Mulde an- gebracht, die von einem Tischler fachmännisch zum Auflegen des Oberkörpers gefertigt war. Der Stab des Lagers mit dem Lagerarzt
stellte sich in die unmittelbare Nähe dieses Marterblockes. Zwei SS-.#
Posten brachten beide Häftlinge in die Nähe des Bockes. Der Jude Goldmann blaß vor innerer Erregung, Puchin mit finsterem Gesicht. Frisch stand er neben Goldmann. Der Offizier vom Dienst ließ die Kompanie stramm stehen und die Augen der Häftlinge mußten nach der Schlagstelle ausgerichtet werden. Die Kompanien der SS wurden so verteilt, daß jeder von uns von hinten genauestens beobachtet wer- den konnte. Für den Juden Goldmann waren 15 Gesäß- und 10 Nieren- schläge befohlen. Er mußte sich auf die Mulde legen. Die Hände wurden vorn an den Gelenken angeschnallt und die Beine hinten an den Knöcheln. Die ausführenden SS-Posten wurden zu dieser Hand- lung durch irgendein Auffallen strafweise kommandiert. Jeder der SS -Männer hatte einen frisch geschnittenen Haselnuß-Stock. Abwech-
selnd begannen die ersten Schläge. Aufschreiend antwortete Gold-
mann. Es war befohlen, jeden Schlag mitzuzählen, aber Goldmann schrie und schrie und zählte nicht. Doch beim 13. Schlag fing er plötz- lich an zu zählen bis zum 25. Schlag. Er wußte was ihm bevorstand, wenn er nicht zählte. Er wäre dann vom dabeistehenden Arzt unter- sucht worden, ob er noch bei Besinnung sei. Wäre das festgestellt worden, war befohlen so länge zu schlagen, bis beim Häftling Bewußt- losigkeit eintrat, welche ebenfalls vom Arzt festgestellt wurde. Nach dem 25. Schlag wurde Goldmann durch Handzeichenbefehl des Stand- dartenführers abgeschnallt und’ stand fest auf seinen Füßen.
Nun kam Puchin:an die Reihe. Dieser zählte, was mir kaum faß- lich war, vom ersten Schlag an bis zum 27. Schlag. Daraufhin wurde er durch den Befehl des Standartenführers abgeschnallt. Als er stramm vor dem Standartenführer stand, fragte dieser ihm, Puchin, das wievielte Mal haben Sie heute Schläge bekommen? Er antwortete laut und deutlich, das vierte Mal, Herr Standartenführer! Nachdem die beiden nun in der Revierstube untersucht waren, wurden beide noch in die Dunkelkammer gesperrt und zwar Goldmann 14 Tage und Puchin acht Tage. Nachts mußten sie in Ketten an der Wand stehen.
27
Während der Prügelstrafe fielen innerhalb der Kompanien Dut- zende von Kameraden um und mußten weggetragen werden, was allerdings nicht durch Häftlinge geschehen durfte, dazu waren junge SS-Posten bestimmt. Sie wurden auf einen Rasen gelegt und viele von ihnen mußten nachher noch in die Krankenrevierstube gebracht wer- den.
10
Ro ws
le se
N:
nf
u ee u N


