Nachts dann etwas Ruhe eingetreten war, vernahmen wir plötzlich ein Rauschen. Schnell sprach es sich herum, daß einer der Häftlinge, ein Bibelforscher der Jehovasekte, sich die Pulsader aufgeschnitten hätte. Jüdische Ärzte, die als Krankenrevierleiter eingesetzt waren, wurden gerufen und erhielten durch Einsetzen von Klammern das Leben dieses Häftlings. Nach 14 Tagen jedoch gelang es diesem Häftling durch einen Sprung aus dem Fenster des 4. Stockwerkes seinem Leben ein Ende zu bereiten und so die ewige Ruhe zu finden.
Durch meine Tätigkeit auf dem Sportplatz hatte ich oft Gelegenheit, das Kommando der Steinklopfer zu beobachten. Ganz besonders fiel mir bei diesem Kommando der 21/2 Zentner schwere, aus Dresden stammende frühere Chefredakteur der Volkszeitung, Sachs, auf. Tagtäglich wurden an demselben, auf Grund seiner Erscheinung, die unglaublichsten sadistischen Gemeinheiten begangen. Jeden Tag bekam er einen neuen Manchesteranzug an und abends hing er ihm in Fetzen vom Leibe. Er war nicht in der Lage, den schweren Hammer, mit dem er umgehen sollte, zu schwingen, dazu fehlte ihm ja jede praktische Übung. Es wurden drei besondere Häftlinge für ihn bestimmt, die unter dem Befehl des dabeistehenden Posten, Sachs zwangen, den Hammer über die Schulter zu nehmen und sodann nach unten zu schlagen, wobei er zusammenbrach. Mit Gewalt wurde er wieder auf die Füße gestellt und mit Wasser aus der Zschopau begossen. Dieses Verfahren wurde immer wiederholt, da man Sachs für einen Simulanten hielt. Am Abend beim Appell brachte ihn ein Häftling in einem Schubkarren angefahren, er lag vollkommen erschöpft in dem Karren. Der Kopf hing auf dem Rad und so wurde er vor die Kompanie gestellt. Der Sturmbannführer Rödel hielt an uns eine Ansprache und wollte uns durch dieses Schulungsbeispiel zu Antisemiten machen, was durch solche Methoden niemals möglich war. Mit zusammengeballten Fäusten und verächtlichen Blicken wurde diese Ansprache angehört. Es durfte sich ja niemand bewegen, denn wir standen in Reih und Glied mit zusammengeschlagenen Hacken stramm. Hinter uns eine Kompanie SS , die bei der geringsten Bewegung mit ihren Repressalien geantwortet hätten.
Die ganze Lagergemeinschaft der Häftlinge rückte mit dem Gesang eines Liedes in die Unterkunft. Dieses Lied enthielt den für uns Häftlinge so bedeutungsvollen Satz: ,, Und wenn uns der eigene Bruder verlacht, uns geht die Sonne nicht unter." Den tieferen Sinn und die Auswirkung dieses Liedes begreifend, wurde dasselbe sofort von der Lagerleitung verboten.
Der Jude Sachs wurde von vier Häftlingen in den Waschraum getragen und dort mit Scheuerbürsten gereinigt. Nachdem er wieder zu sich gekommen war, wurde er in die Dunkelzelle gesperrt. Am nächsten Morgen begann für ihn das furchtbare Martyrium von
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