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Allein im Landkreis Recklinghausen gaben in den letzten Kriegstagen 1404 deutsche Soldaten ihr Leben hin. Es fielen in den Kreisen Lüdinghausen 119 Soldaten, Burgsteinfurt 143 Soldaten, Ahaus 143 Soldaten, in der Stadt Gelsenkirchen 139 Soldaten, in den Ämtern Rhede 185 Soldaten, Anholt 143 Soldaten, Ding den 73 Soldaten.
Städte wie Bocholt , Borken , Coesfeld , Dülmen , bisher kaum oder doch nur gering vom Kriegsgeschehen in Mitleidenschaft gezogen, erfahren in letzter Stunde noch vernichtende Schäden durch Luftangriffe.
Der Frühling war in jenen Tagen sehr früh ins Land gekommen. Von den Ufern des Niederrheins drang fern und dumpf das Grollen der Geschütze herüber. Tief blau war der Himmel vom ersten bis zum letzten Tageslicht. So beständig aber wie die Sonne in jener Dereignisschweren Woche vor dem ersten englischen Luftlandeunternehmen im westfälischen Raum war auch die Tätigkeit der alliierten Luftstreitkräfte über diesem vom Kriege sonst kaum berührten ländlichen Gebiet. Jagdflugzeuge stießen immer wieder auf Straßenund Eisenbahnlinien herab. Das Brausen der zweimotorigen Kampfmaschinen erfüllte pausenlos den Tag. In den hellen Mondnächten waren die Störflugzeuge unterwegs. Unaufhörlich fielen Bomben. Friedliches Land war zur Hölle geworden. Felder, der Saaten wartend, blieben brach. Menschen, bis auf das Blut gepeinigt, zogen müde und angst voll mit den geringen Resten ihrer Habe über sonnenheiße Straßen.
Im Kloster Groß Burlo bei Rhede hat sich ein Kriegslazarett niedergelassen. Tag und Nacht sind die Ärzte am Operationstisch tätig. Der Strom der Verwundeten nimmt zu mit dem Anwachsen des mühseligen Zuges jener Gehetzten, die der Wille des immer noch allmächtigen Führers in letzter Stunde gnadenlos von Haus und Hof verjagt. Der Zahnarzt hat seine zahnärztliche Arbeit eingestellt. Er arbeitet, wie alle nur irgendwie entbehrlichen Ärzte auch der inneren Station, Tag und Nacht in der Chirurgie. Die Tragen mit den Verwundeten füllen Gänge und Treppenhaus, jeden nur denkbaren Raum. Schließlich stehen sie auf dem Hof umher. Ein Operationswagen trifft zur Verstärkung ein. Frauen und Greise, Soldaten und Kinder sind die Patienten. Eine Mutter trägt ihren kläglich wimmernden Säugling hinaus. Die blutgetränkte Binde über dem Stumpf des winzigen Beinchens verrät die Amputation. Ein sechsundsiebenzigjähriger Mann liegt mit zerrissenem Arm in den Kissen. Eine alte Frau sitzt weinend neben seinem Bett. In einem der Krankensäle oben ist mit einem Schulterschuß ein sechsjähriges Mädchen der arme Liebling verwundeter Soldaten geworden. Der
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